Opfer erhielten Entschädigung

Missbrauch in Fritzlar: Täter ist kein Priester mehr

Fritzlar. Hansjörg L, der wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 155 Fällen verurteilt worden ist, ist kein Priester mehr. Er gehört auch dem Orden der Prämonstratenser nicht mehr an, sagte der Abt des Ordens, Michael K. Proházka o.praem., auf Anfrage der HNA.

Die Entlassung aus dem Priesterstand und der Rauswurf aus dem Orden sind aus kirchenrechtlicher Sicht die härtesten Strafen. Der Betroffene verliert damit alle Rechte des geistlichen Standes. Möglich wären im Kirchenrecht auch Geldstrafen und diverse Auflagen gewesen. Von einem weltlichen Gericht war der ehemalige Fritzlarer Priester zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Er war unter anderem für die Ministranten zuständig gewesen.

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Für die Jahre, in denen Hansjörg L., dessen Ordensname Herr Michael war, Mitglied des Ordens der Prämonstratenser war, werde Geld in die Sozialkasse eingezahlt, erläuterte Abt Proházka.

Nachdem der Missbrauch in Fritzlar bekannt geworden war, hatten das Bistum und der Orden beschlossen, die Chorherren aus Fritzlar abzuziehen. Das Priorat in der Domstadt wurde aufgelöst. Die Mönche gingen teilweise an den Sitz des Ordens im österreichischen Geras zurück, andere werden andernorts eingesetzt. „Es war sehr schwer für uns alle“, sagte der Abt rückblickend. Gemeinsam mit seinen Mitbrüdern versuche er nun, positiv in die Zukunft zu blicken.

An zehn Opfer in Fritzlar wurde Ende vergangenen Jahres vom Orden eine „materielle Leistung in Anerkennung des Leids“ gezahlt, wie es offiziell heißt. Das sagte Rechtsanwältin Meike Schoeler, die als Missbrauchsbeauftragte fungierte, auf HNA-Anfrage.

Zur Summe dürfe sie sich nicht äußern. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bis zu 5000 Euro empfohlen. Etwa in dieser Höhe dürften sich auch die Zahlungen in den Fritzlarer Fällen bewegen.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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