Mit Bestnote in der JVA

Häftlinge der JVA Schwalmstadt legen Prüfung zum Koch ab

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Küchenchef und Ausbilder in der JVA Gerd Conradi mit Azubi Frank*, der seine schriftliche Prüfung mit Bestnote 1,0 bestanden hat und zukünftig als Geselle in der Gefängnisküche arbeiten wird.

Die Eingangstür der JVA Schwalmstadt wird von innen durch einen surrenden Knopfdruck geöffnet.

Mit einem lauten Schlag fällt die schwere Eingangstür wieder ins Schloss, einen Türgriff gibt es nicht. Hinter den Gefängnismauern des Hochsicherheitsgefängnisses in Ziegenhain geht alles seinen gewohnten Lauf – fast alles. Für drei Inhaftierte ist es ein ganz besonderer Tag, dann sie treten zur praktischen Abschlussprüfung ihrer Kochlehre an.

Personalausweis und Handy müssen abgegeben werden

An der Anmeldung müssen Besucher Personalausweis und Handy abgeben, der Rucksack kommt in ein Schließfach, so wie man es aus der Uni Bibliothek oder dem Schwimmbad kennt. Doch ist die Situation alles andere als alltäglich. 

Im Stacheldraht der Gefängnismauern klemmt ein alter Fußball der Insassen.

Viel Betrieb in der Lehrküche der JVA

Ein kurzer Weg über den leeren Gefängnishof und schon ist man bei dem Restaurant, das an die Lehrküche der JVA angrenzt, angekommen. Nach ein paar kurzen Einweisungen des Justizbeamten Sigfried Leiphold wird die Tür zu den Räumlichkeiten aufgeschlossen. Die Auszubildenden sind schon im Stress, Töpfe und Pfannen klirren, es riecht nach Essen. „Die Insassen werden geprüft, wie jeder andere Auszubildende auch“, erklärt Küchenchef und Ausbilder Gerd Conradi. Hier müssen die Lehrlinge, hinter einer weiteren, verschlossenen Tür, ein Drei-Gänge-Menü kochen – unter Beobachtung von vier Prüfern der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg. Frank* und seine zwei Kollegen folgen bei der Prüfung einem Ablaufplan. Diesen mussten sie im Vorfeld selbst erstellen, er wird ebenfalls bewertet und beinhaltet beispielsweise Hinweise auf Allergene.

Drei eingedeckte Tische stehen im Restaurant der Lehrküche. Hier können im Regelbetrieb JVA Mitarbeiter essen. 

In einem Warenkorb wurden die Grundzutaten für die Gerichte in der Prüfung festgelegt, weitere Zutaten zur Verfeinerung stehen bereit. Jeder Gang muss in sechsfacher Ausführung zubereitet werden. In der Regel treten acht bis neun Prüflinge an, dieses Jahr seien es nur drei, das habe verschiedene Gründe, so Condradi.

Häftling Jens* bereitet gerade die Teller für sein Dessert vor

Einzigartiges Angebot für Häftlinge

Das Angebot ist im Männervollzug in Hessen einzigartig, es nehmen nicht nur Inhaftierte der JVA Schwalmstadt daran teil. Für die Zeit der Umschulung werden die Inhaftierten nach Ziegenhain versetzt, nach der Lehre geht es zurück in ihre zugeordneten Anstalten. Die zweijährige Ausbildung wird durch das Justizministerium und mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. „Um teilnehmen zu können, sollten sich die Häftlinge im letzten Drittel ihrer Haft befinden“, sagt Conradi. Manchmal mache man Ausnahmen, wie zum Beispiel bei Frank. Seine Haft wird noch einige Jahre dauern.

Häftling Frank* weiß noch nicht, dass er seine theoretische Prüfung mit Bestnote bestanden hat

Lehrerin freut sich über Erfolg ihres Schülers

Was Frank zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß – er hat seine theoretische Prüfung mit Bestnote 1,0 bestanden: „Das habe ich in all den Jahren noch nie erlebt“, freut sich die Berufsschullehrerin Barbara Krings über den Erfolg ihres Schülers, der nach bestandener Prüfung als Geselle in der Gefängnisküche arbeiten wird. „Als Bindeglied zwischen dem Büro der Küche und den Häftlingen in Ausbildung“, sagt Conradi. Er ist Ausbilder mit Leib und Seele. Bevor er als Ausbilder in die JVA kam, arbeitete er lange bei der Jugendhilfe. Dort sei die Situation gar nicht so anders gewesen, nur waren seine Azubis jünger. Angst habe er bei seinem Job keine, denn die Auszubildenden werden im Vorfeld sorgsam ausgesucht. Besonders freue er sich, wenn er seine ehemaligen Auszubildenden in Restaurants besuchen kann, in denen sie nach ihrer abgesessenen Haft eine Arbeitsstelle gefunden haben.

Gourmet-Gericht hinter Gittern

Folgendes Menü wurde zubereitet: 

  1. Gang: Miesmuscheln überbacken mit Parmesan auf Blattspinat. 
  2. Gang: Gekochter Kalbstafelspitz mit Meerrettichsauce, Spitzkohl und Herzoginkartoffeln.
  3. Gang: Weißes Schokoladenmousse auf einem Orangenspiegel.

*Namen wurde von der Redaktion geändert.

Quelle: HNA

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