115 Kinder und Jugendliche im Haus Carl Sonnenschein 

Mit Bockwurst und Kartoffelsalat: So feiert das Kinderheim in Fritzlar Weihnachten

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Sie schmücken schon einmal den Weihnachtsbaum: Silvia Sickora (Erzieherin, links) und Ulla Mex (Leitung) im Kinder- und Jugendhilfe-Haus „Carl Sonnenschein“.

Fritzlar. Kein Pomp, keine Extravaganzen, nichts Gespieltes. An Weihnachten will das Kinder- und Jugendhilfe-Haus „Carl Sonnenschein“ nur eines bieten: Normalität.

Alles andere würden die Bewohner den Erziehern eh nicht abnehmen, ist Silvia Sickora überzeugt. „Kinder haben feine Antennen. Sie merken, ob das, was ich mache, echt ist, oder aufgesetzt ist.“

115 Kinder- und Jugendliche leben in den Wohngruppen der Caritas. Hinter diesen 115 Menschen stehen 115 Schicksale, 115 Lebensgeschichten. Gemeinsam haben sie eines: Sie leben nicht bei ihren Eltern, sondern im Heim.

Sich um die drei- bis 17-Jährigen zu kümmern, verlangt viel Fingerspitzengefühl. Ganz besonders gilt das in der Weihnachtszeit. Silvia Sickora ist seit 28 Jahren in der Einrichtung. Sie weiß, wie emotional der Advent für die Kinder ist. „Es ist auch für uns die schwierigste Zeit“, sagt die Erzieherin. „Wir müssen genau gucken, wie die Kinder reagieren.“

Für manche Kinder ist es das erste Fest im Heim. „Zum Teil wissen sie nicht, wie man Weihnachten feiert. Sie haben es bisher nicht kennengelernt“, erklärt Sickora, die die Kinder an das Fest heranführt. Zusammen lesen sie abends Geschichten, backen Plätzchen, singen Weihnachtslieder und feiern sonntags Adventskaffee. Mit der Zeit werden die Rituale vertrauter. „Je länger die Kinder hier sind, umso mehr freuen sie sich auf die Zeit“, sagt Sickora.

Für den Heiligabend gibt es im Haus Carl Sonnenschein einen festen Ablauf. Erst geht es für alle in die Kapelle, dann werden vor dem Weihnachtsbaum in der Diele zwei Weihnachtslieder gesungen. Nach dem gemeinsamen Essen ist Bescherung in den einzelnen Wohngruppen. Wenn die Kinder ihre Geschenke öffnen, ist das auch ein besonderer Moment für die Erzieher. Es sei für Sickora und ihre Kollegen schön zu sehen, wie sich die Kinder freuen.

Besuch von den Eltern

Heiligabend im Heim. Da gibt es keine tieftraurigen Kinder, versichert Leiterin Ulla Mex: „Wir haben keine weinenden Kinder, die unbedingt nach Hause wollen.“

Im Gegenteil. Dafür seien die Wohngruppen zu gefestigt. Ein Teil der Kinder („Dort, wo es möglich ist“) sieht am ersten und zweiten Weihnachtstag seine Eltern. Sie reisen nach Hause oder bekommen Besuch. „Dann freuen wir uns mit den Kindern“, betont Silvia Sickora. Die Kinder kommen unterschiedlich gut mit dem Wiedersehen zurecht. „Bei manchen müssen wir hinterher bei Null anfangen. Manche sind seit acht oder mehr Jahren bei uns. Für sie ist das zur Normalität geworden.“

Apropos Normalität: Die gilt auch für den Speiseplan am Heiligen Abend: Es gibt Würstchen mit Kartoffelsalat. Keine Extravaganzen. „Etwas ganz Normales halt.“

Quelle: HNA

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