Leiharbeit in der Kritik

Mitarbeiter der Homberger Bettenwelt streikten

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Warnstreik bei der Bettenwelt in Homberg. Die Belegschaft protestierte dagegen, dass immer mehr Leiharbeiter beschäftigt werden und die Zahl der Stammbeleschaft immer weiter sinkt. Aufgerufen dazu hatte die Gewerkschaft Verdi.

Homberg. Mitarbeiter des Homberger Logistikunternehmens Bettenwelt ließen sich am Dienstag trotz strömenden Regens nicht von einem Warnstreik abhalten. 

Leiharbeiter und Mitarbeiter von Werkvertragsunternehmen machen laut Gewerkschaft Verdi das Gros der Beschäftigten beim Homberger Logistik-Unternehmen Bettenwelt aus. Das Verhältnis verschiebe sich immer mehr zu Lasten der Stammbelegschaft. Dagegen protestierten gestern etwa 35 Beschäftigte der Früh- und Normalschicht. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder zu einem Warnstreik aufgerufen.

Den 85 festangestellten gewerblichen Mitarbeitern stünden 95 Leiharbeiter sowie Mitarbeiter von Werkvertragsunternehmen gegenüber, sagte Gerd Pfeiffer, Betriebsratsvorsitzender des Unternehmensstandorts in Homberg.

„Wenn in der Bettenwelt in Homberg im Bereich der Logistiker die ‘Fremdbeschäftigten‘ schon in der Mehrzahl sind, kann die Stammbelegschaft nur verlieren“, sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland. Das sei nicht einfach nur ein Strukturproblem. „Das wächst sich zu einer Krankheit der gespaltenen Belegschaften aus“, fügte er hinzu. Und Werkverträge unterlägen nicht einmal den Regelungen der Leiharbeit. Das müsse der Gesetzgeber ändern.

Ließen sich auch vom Wetter nicht abschrecken: Mitarbeiter der Homberger Bettenwelt, die am Dienstag an einem Warnstreik teilnahmen, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte

Verdi fordert für die Bettenwelt eine Leiharbeiterquote von zehn Prozent. Ab dem 6. Monat der Beschäftigung sollten Leiharbeiter den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft. Ab dem 12. Monat sollte eine Festanstellung bei der Bettenwelt erfolgen.

Man habe die Firmenleitung in Flensburg mehrfach zu Verhandlungen aufgefordert – ohne Erfolg, berichtete Verdi-Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer. „Wir wollen, dass die Stammbelegschaft eine Zukunft hat“, sagte er. Wohin die Reise bei der Bettenwelt führen werde, könne man im Logistik-Hub in Kammlach (Allgäu) beobachten. Bei den Beschäftigten dort handele es sich zu hundert Prozent um Mitarbeiter mit Werkverträgen, für die keinerlei Tarifbindung gelte.

Umrissen die Forderungen der Gewerkschaft: Verdi-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland (links) sowie Verdi-Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer.

Unter den Beschäftigten in Homberg sei der Frust groß, berichtete Gerd Pfeiffer. Der 49-Jährige ist seit 24 Jahren bei der Bettenwelt beschäftigt und seit 2001 Betriebsratsvorsitzender. Die beschriebene Entwicklung führe zunehmend zu Spannungen zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern. Pfeiffer: „Die Frustration äußert sich auch in einem hohen Krankenstand von zwölf Prozent.“

Ihre Solidarität mit den Bettenwelt-Beschäftigten bekundeten auch Jenny Huschke vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie Hajo Rübsam von der IG Metall.

Quelle: HNA

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