Zu Gast in der Schwalm

Hartz IV-Kritikerin Inge Hannemann zu Gast in der Schwalm

Die Mitarbeiterin des Jobcenters Hamburg Inge Hannemann kritisiert öffentlich Hartz IV. Foto:  Rose

Als „Hartz IV-Rebellin“ wurde sie in den Medien bekannt: Die Jobcenter-Mitarbeiterin Inge Hannemann. Dabei gebe es viele Mitarbeiter, die sich gegen das System auflehnten, sagt die Hamburgerin: „Ich bin nur die eine, deren Namen man kennt“, erklärt die 45-Jährige.

Am Mittwoch war sie zu Gast beim Frühstückstreffen der AWO im Haus für Gemeinschaftspflege in Treysa. Weil sie die Hartz IV-Praxis öffentlich kritisiert, ist sie seit April dieses Jahres vom Jobcenter freigestellt. „Grundsätzlich stimmt in diesem System nichts. Das fängt schon bei den Gesetzen an - die sind viel zu schwammig“, sagt Hannemann. „Das gibt den Mitarbeitern eine unglaubliche Machtstellung“, ärgert sie sich.

Sie selbst sage nicht, dass Leistungsempfänger nie sanktioniert werden dürften, aber Jobcenter-Mitarbeiter stünden in der Pflicht, die Beweislast zu bringen. „Zu Sanktionierungen gab es weder Schulungen noch klare Weisungen“, sagt die 45-Jährige. Inge Hannemann ist unter anderem durch ihren Blog im Internet zur Symbolfigur und Anführerin des Protests gegen Hartz IV geworden. In „altonabloggt“ schreibt die 45-Jährige über Missstände, überlastete Mitarbeiter, deprimierte und depressive Hartz-IV-Empfänger und willkürliche Leistungskürzungen.

Weil es eben keine klaren Weisungen gab, hat sich Hannemann geweigert, Hartz-IV-Empfängern, die nicht zu Treffen erschienen, das Geld zu kürzen. Was sie ebenfalls anprangert, sind „unsinnige Maßnahmen“ für Langzeitarbeitslose. „Die werden da rein verfrachtet, damit die Statistik stimmt“, sagt sie. Für Jobcenter-Mitarbeiter sei das eine Arbeitserleichterung, man hätte „schlicht weniger Fälle auf dem Tisch“. Hinzu komme, dass die Jobcenter unterbesetzt seien. „Die Fluktuation ist hoch. Quereinsteiger hospitieren, kriegen eine Schulung und werden dann auf die Leute los gelassen.“

Außerdem sei der Krankenstand extrem hoch: Mit etwa 20 Prozent lägen die Jobcenter klar über dem Durchschnitt von sechs bis acht Prozent. Das System mache die Menschen vor und hinter dem Schreibtisch kaputt: „Viele Kollegen haben die innere Kündigung schon längst vollzogen“, ist Hannemann überzeugt. Dass viele Leistungsempfänger demotiviert und psychosomatisch erkrankt seien, würde ignoriert: „In diesem System wird der Mensch vergessen.“ (zsr)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare