Autorin Thorn las zum Jubiläum der Bücherei Oberaula in der Pfarrscheune

Autorin Ines Thorn: Ihr Mitgefühl hat Grenzen

Mordet mit Vorliebe im Mittelalter: Die Frankfurter Autorin Ines Thorn stellte am Donnerstag ihren aktuellen Roman „Totenreich“ vor. Foto: Rose

Oberaula. Schon Cicero sagte einst: „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.“ Für Ines Thorn wäre es undenkbar, ohne Bücher zu leben. Aber das muss die Frankfurterin auch gar nicht: Denn die Autorin schreibt seit mehr als zehn Jahren ihre eigenen Romane.

Und wenn Ines Thorn nicht gerade selbst am Schreibtisch sitzt und ihren Charakteren in historischer Kulisse Leben einhaucht, dann denkt sie entweder über ihre Geschichten nach oder liest mit Vergnügen die Werke amerikanischer Kollegen. Am Donnerstag las die Frankfurterin in der Pfarrscheune aus ihrem aktuellen Werk „Totenreich“ – zum 25. Geburtstag der Gemeindebücherei Oberaula.

Das Leben als Autorin hatte sich die Buchhändlerin nach ihrem Germanistik - und Slavistikstudium eigentlich sehr komfortabel vorgestellt: „Nur ich, der Computer, ein Glas Rotwein und ein gut aussehender Jüngling auf der Récamière – stattdessen erwarten mich Arbeit, ein festes Tagessoll und jede Menge Tee. Das war die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagt Ines Thorn mit ironischem Unterton. Besonders montags treffe sie diese Erkenntnis immer recht hart: Da entwickele sie regelmäßig Arbeitsvermeidungsstrategien, klicke sich bisweilen durch die Geschichten auf Bunte.de. Und doch sind es dann immer mehr die eigenen, die in ihrer Fantasie entstehen und schnell die Oberhand gewinnen. Am spannendsten findet Ines Thorn dazu die Recherche in Archiven. Viele ihrer Figuren gab es wirklich. Auch die Tötungstechniken in Thorns Büchern, die Kritiker bisweilen als zu grausam bewerten. „Aber ich muss sagen, das Mitgefühl für die eigenen Figuren hält sich in Grenzen“, erklärt die Autorin.

Und doch sind die Charaktere im Hause Thorn sehr präsent: „Meine Tochter und mein Hund haben sich daran gewöhnt, auf alle Namen zu hören.“ Auch ihr Mann wundere sich mittlerweile wenig, wenn die Autorin beim Abendessen plötzlich erzählt: „Ach übrigens, Werner hatte einen Herzinfarkt.“ Eigentlich habe sie mit Esoterik so rein gar nichts am Hut, aber beim Schreiben entwickelten die Figuren bisweilen doch ein Eigenleben. „Ist das Buch dann fertig, komme ich mir oft irgendwie verlassen vor“, sagt Ines Thorn.

Seit 2003 ist die gebürtige Leipzigerin hauptberufliche Autorin. Im März erscheint ihr neuester Roman, der teilweise auch in Olberode spielen wird. Mehr verrät Ines Thorn aber noch nicht. Derzeit arbeite sie an einem zeitgenössischen Krimi: „Das ist unglaublich schwierig – aber ich will wissen, ob ich es kann.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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