Mobbing im Internet gehört an Schulen im Schwalm-Eder-Kreis zum Alltag

Schwalm-Eder. Früher beschimpften sich Jugendliche auf dem Schulhof, heute passiert das oft im Internet. So wie vergangenes Jahr in Felsber. In der dortigen Drei-Burgen-Schule wurden zwei Schüler von ihren Klassenkameraden auf einer Internetseite beleidigt.

Daran erinnert sich Klassenlehrer Thomas Frankfurth.

Auch an der Anne-Frank-Schule in Fritzlar beispielsweise habe es einzelne Fälle von Cybermobbing, also meist anonmyme Beleidigungen im Internet, gegeben, bestätigte Schulleiter Berthold Umbach. Die Schule habe das Problem allerdings im Griff, versicherte Umbach. Unter anderem werde vorbeugend gegen vorgegangen, indem Experten Schüler und Eltern über das Thema informieren.

„Das Problem Cybermobbing gehört zum Alltag an der Schule“, sagt auch Dr. Dieter Vaupel, Schulleiter der Felsberger Drei-Burgen-Schule. In der Schule würden sich die Schüler zu wenig unterhalten, stattdessen verlagere sich die Kommunikation ins Internet, schätzt Vaupel die Lage ein. Dort würden Probleme dann oft aufgebauscht und brächen in der Schule umso stärker auf.

Thomas Frankfurth, der das Problem in seiner Klasse hatte, behandelte das Thema in den Unterrichtsfächern Religion und Politik. Viele Kinder hätten kein Bewusstsein, was ihre Kommentare im Internet für Folgen haben könnten, sagt er. Entscheidend sei es auch, Probleme, die in der Klasse enstünden, auch in der Klasse zu lösen. Eine wichtige Rolle kommt auch den Schulsozialarbeitern zu, ergänzte Schulleiter Vaupel.

Beleidigt wird anonym

Die Anonymität, die das Internet ermöglicht, begünstigt die Beleidigungen, sagt Markus Brettschneider, der Jugendkoordinator der Polizeidirektion Schwalm-Eder ist, und sich häufig mit dem Thema beschäftigt. Eltern sollten sich mehr darum kümmern, was ihre Kinder im Internet tun, fordert der Kommissar.

Cybermobbing sei an sich kein Strafbestand, erläutert Polizeisprecher Reinhard Giesa. Eine öffentliche Beleidigung oder üble Nachrede sei aber strafbar. Meist sei es aber schwierig, an die Verfasser der Schmähbotschaften zu kommen. Die Betreiber von Internetseiten, auf denen die Beleidigungen erscheinen, geben oft die IP-Adressen der Verfasser nicht heraus. Mit der IP-Adresse ist es möglich, bestimmte Computer ausfindig zu machen. Die Polizei arbeitet deswegen eng mit den Schulen zusammen, um durch Vorträge in Schulklassen und Veranstaltungen für Eltern zu informieren und vorzubeugen.

Allein gegen eine einzige Seite mit Beleidigungen sind deutschlandweit nach Informationen des „Tagesspiegels“ 50 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Stichwort: Cybermobbing

Als Cyber-Mobbing wird die Beleidigung, Belästigung und Nötigung anderer Menschen vor allem über das Internet bezeichnet. Das Internet scheine die Hemmschwelle zu senken, vermutet die Polizei, denn die Verfasser der Beschimpfungen bleiben häufig anonym, während die Opfer namentlich genannt werden. Im Internet können sich Informationen schnell verbreiten und kopiert werden. So ist es fast unmöglich, die Schmähungen vollständig zu löschen. Ein weiteres Problem ist, dass Täter schnell Nachahmer finden und die Opfer auf diese Weise noch mehr belästigt werden. (red)

Quelle: HNA

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