HNA-Serie Handwerksberufe: Droht der Radio- und Fernsehtechnik das Aus?

Modern, aber eher selten

Alte und neue Technik: Kai Müller, Informationstechnikermeister, mit einem altem Röhrengerät (links) und einem modernen Flachbildschirm. Fotos: Zerhau

Fritzlar. Wer noch Radio- und Fernsehgeräte reparieren kann, übt ein traditionsreiches Handwerk aus, das zwar kompliziert und hochtechnisch ist, aber ebenso selten zu werden droht wie etwa Steinmetz, Schuhmacher oder Schmied. „Diesen Beruf, der heute Informationselektroniker heißt, kann man schon fast als ausgestorben bezeichnen“, sagt einer, der es wissen muss: Kai Müller, Informationstechniker-Meister und seit zweieinhalb Jahren Chef der Firma Müller Fernsehtechnik in Fritzlar.

In seinem Betrieb werde das handwerkliche Können hoch geschätzt, sagt Müller. Er betreibe die Reparaturwerkstatt, die sein Vater Alex Müller 40 Jahre lang aufgebaut habe, mit sechs Mitarbeitern weiter und bilde auch aus. „Wenn ich gute, zu uns passende Leute haben möchte, sorge ich am besten selbst dafür“, sagt er.

Doch gebe es in der Region ja kaum noch Firmen, die in dem traditionsreichen Handwerk ausbilden. Viele hätten in den vergangenen Jahren dichtgemacht. „Es ist schlicht teurer, Techniker und eine Werkstatt zu betreiben als Kaufleute, die verkaufen“, sagt Müller. Und die Großen des Gewerbes böten zwar Kundenservice, legten darauf aber keinen besonders großen Wert.

Noch sechs Azubis

Im gesamten Schwalm-Eder-Kreis gibt es nur noch 18 Handwerksbetriebe im Bereich Radio- und Fernsehtechnik/Informationselektronik, sagt auch die Statistik der Kreishandwerkerschaft. Geschäftsführer Jürgen Altenhof hat nachgeschaut und festgestellt: „Zurzeit werden sechs Auszubildende im Kreis zu Informationselektronikern ausgebildet.“

Das neue Berufsbild, zu dem auch Radio- und Fernsehtechnik gehöre, sei breit aufgestellt, sagt Kai Müller. Computer, Internet, Kabeltechnik – all das ist Informationselektronik. Trotzdem gebe es lediglich eine Berufsschulklasse für den gesamten Bereich zwischen Fulda und Göttingen, Marburg und Eschwege. „Wir hatten im vergangenen Jahr nur 16 Auszubildende in dieser Klasse, die in Kassel beschult wird“, sagt der Fritzlarer. Wegen der langen Wege vom Arbeits- zum Schulort gibt es stets viertägigen Blockunterricht alle vier Wochen.

Woran liegt der befürchtete Niedergang eines traditionsreichen, anspruchsvollen Handwerks? „Viele werfen ihr altes Gerät weg, wenn es defekt ist“, sagt Jürgen Altenhof. Reparieren sei eher nicht mehr angesagt angesichts der rasanten Entwicklung der Geräte.

Dem widerspricht Kai Müller: Wer qualitativ gute Geräte kaufe, für den lohne sich auch die Reparatur – wenn sie denn noch jemand beherrsche. „Wir reparieren bis auf die Module herunter“, sagt er, es werde nicht nur „einfach ausgetauscht“. Das Knowhow eines Meisterbetriebs im Handwerk würden auch heute noch viele Kunden schätzen.

Nischen suchen

Wer einen handwerklichen Fachbetrieb fit für die Zukunft machen will, muss sich laut Kai Müller auch permanent weiterbilden und Nischen suchen. So biete er inzwischen auch Veranstaltungstechnik an, das sei ein weiteres Standbein. Müller hält es vor allem für dringend notwendig, die technischen und handwerklichen Fähigkeiten auszubilden. Das und die saubere, fachgerechte Arbeit – das sei sein Anspruch an einen Handwerksbetrieb, der diesen Namen auch verdiene.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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