Bis 2021 soll alles fertig sein

Modernisierung des Treysaer Bahnhofs: Chronologie der Einigung

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Großer Bahnhof, großer Beifall: Von links Marion Springs und Nadine Moos, hinten Hephata-Direktorin Judith Hoffmann, rechts neben ihr Arbeitsgruppensprecher Frank Keller. Sie und die meisten Beobachter werten die Vertragsabschlüsse als überraschenden, aber wasserdichten Durchbruch.  

Treysa. Wie sensibel und gleichzeitig unter Hochdruck die Einigungsgespräche um die Modernisierung des Bahnhofs Treysa bis zuletzt geführt wurden, ist inzwischen sichtbar.

Noch Ende Juni machte Bürgermeister Stefan Pinhard die Fahrt eines Sonderzuges zum Protest bei der Berliner Bahnzentrale vom „Fortgang und der Entwicklung von Gesprächen“ abhängig, alles schien offen.

Da war die Einigung vornehmlich zwischen Bahn und Land nach Informationen der HNA wohl wirklich noch nicht gelungen. Doch dann ging es plötzlich ganz schnell, schon am 6. Juli sollen die entscheidenden Vorverträge unterzeichnet worden sein, am 10. Juli besiegelten dann Minister Al-Wazir und die Chefs von Station und Service, NVV und Bahn das Gesamtpaket vor laufenden Kameras und Mikrofonen.

Erst in der Vorwoche war durchgesickert, dass Minister Tarek Al-Wazir an jenem Dienstag in der Stadt sein würde – zunächst ohne nähere Informationen, was genau er den Menschen zu sagen haben würde. Über den ganzen Umfang haben selbst Insider dann gestaunt, die positive Überraschung war groß.

Fertigstellung bis 2021

Baurecht bestand schon seit 2014, alle Planungen lagen in den Schubladen, doch noch im Januar 2018 schien die Lage nahezu hoffnungslos verfahren zu sein. Nun im Hochsommer, kurz vor der heißen Landtagswahlkampfphase, die erlösenden Botschaften: Der IC-Halt bleibt lückenlos erhalten, die dazu notwendige Ummodelung der Gleise wird kein dauerhaftes Provisorium, sondern der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs schließt sich an – im Vergleich mit den bisherigen Fortschritten unverzüglich. Start ist 2019, die Fertigstellung soll 2021 sein.

Das Echo aus den Parteien und Pressemitteilungen ist ungeteilt positiv, nur ganz vereinzelt blitzt Skepsis auf, die Sorge, dass all dies zu schön ist, um wahr zu sein. Doch dafür gibt es diesmal tatsächlich keine Hinweise. DB-Konzernbevollmächtigter Klaus Vornhusen sagte beim Unterzeichnungstermin, dass die Lösung der Treysa-Frage der Bahn immer wichtig war, „danke für Ihre Geduld“, rief er dem Publikum zum Schluss mit lachendem Gesicht zu.

Land ist bereit, Anteil der Kosten zu übernehmen

Von einem Aber war auch in den Worten von Minister Al-Wazir nicht Rede. Das Land sei bereit, große Anteile zu der Kosten zu übernehmen, weil es von der Notwendigkeit der Barrierefreiheit an diesem Bahnhof überzeugt sei, und die Modernisierung nutze letztlich allen Bahnfahrern. „Jetzt haben wir es geschafft“, so der Sprecher der AG Zum Zuge kommen, Frank Keller (Hephata-Behindertenhilfe).

Bürgermeister Stefan Pinhard traf es zweifellos, als er am Dienstag sagte, der Erfolg habe viele Väter. Neben dem Einsatz der Politik auf allen Ebenen hat vor allem das Hessische Diakoniezentrum Hephata, zudem Studienstandort der Evangelischen Hochschule Darmstadt (EHD), nie locker gelassen. Über neun Jahre erneuerte die Keller-Arbeitsgruppe den Druck immer wieder, während sich die Bahn auf ihre Langfrist-Regelwerke zurückzog.

Anhebung des Bahnsteigs noch in diesem Jahr

Der akute Handlungsbedarf, den die Bahn selbst durch die Umstellung auf ICE-Triebzüge ab Dezember auf der Main-Weser-Linie schuf, hat die positive Entscheidung sogar beflügelt. Deutlicher als jemals zeigte sich, dass die Anbindung Treysas und der Region von der Barrierefreiheit und einem Mindeststandard der Gesamtanlage praktisch nicht zu entkoppeln ist.

Die Anhebung auf 55 Zentimeter Bahnsteighöhe noch dieses Jahr bringt dabei Reisenden in Fernverkehrszügen schon ab Dezember Vorteile, denn die neuen ICE-T bieten besseren Komfort und höhere Geschwindigkeiten.

Investition von rund 14 Millionen Euro

Bei allem Jubel muss man aber auch sehen, dass das Land und damit der Steuerzahler tief in die Tasche greifen: Die Investitionen bis 2021 werden auf rund 14 Mio. Euro geschätzt, das Land beteiligt sich mit rund 8 Mio. Euro, die Bahn mit – nur – 4,5 Mio. Euro.

Für den wohl entscheidenden Kompromiss, nämlich das Bahnsteighöhenkonzept (76 Zentimeter) spätestens nach 20 Jahren in einer weiteren Baustufe zu realisieren, macht das Land sogar Zusagen bis zum Jahr 2041 über 4,1 Mio. bei Gesamtkosten 5,4 Mio. Euro, „eine teure, aber gute Lösung“, so Al-Wazir.

Quelle: HNA

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