Frauenfußball-WM steht vor der Tür: Drei Fußball-Pionierinnen der Schwalm erzählen über ihre Anfänge auf dem Rasen

Möller-Schwestern gaben Startschuss

Obergrenzebach. Als die Locken von Fußballstar Andi Möller zum Weltmeisterglanz heranwuchsen, waren diese drei Schwestern der große Wurf für den Trainer des Viktoria Großenenglis. „Er sagte immer: Ich hab gleich drei Möllers nach Großenenglis geholt und kein Geld dafür bezahlt“, erinnert sich Monika Schäfer (45). Die geborene Möller gehörte mit ihren Schwestern Heike Siebert (51) und Bettina Richhardt (47) zu den Pionieren des Schwälmer Frauenfußballs.

Es war 1976, als Heike Siebert als erste Schwester den grünen Rasen betrat. Ihr damaliger Freund hatte auf einer Kirmes die damals kühne Idee verbreitet, eine Mädchenfußballmannschaft trainieren zu wollen. Heike war sofort dabei, ihre Schwestern folgten ein Jahr später in den SV Rot-Weiß Leimsfeld.

„Rundrum wurden wir belächelt. Fußball sei ein Jungssport. Aber unser Vater war stolz.“

Monika Schäfer

Dass die Emanzipation Ende der 70er-Jahre noch nicht so weit war, spürten auch die drei gebürtigen Obergrenzebacherinnen. „Rundrum wurden wir belächelt. Fußball sei ein Jungssport. Aber unser Vater war stolz“, erinnert sich Monika Schäfer. Während andere Mädchen im Dorf Brennball spielten, ging es bei den „Möller Sisters“, wie sie genannt werden, auch mal ruppiger zu. „Manche Frauen gehen schon druff“, sagt Schäfer. Die Vorstopperin nimmt sich da nicht aus. Auch sie habe in ihrer aktiven Zeit mehr als ein blaues Bein verteilt. Den strammen Schuss trainierte sie schon als Neunjährige, als sie auf dem elterlichen Hof unermüdlich gegen eine Mauer schoss. „Da spürte ich, da ist was.“

Aber die Ära des Frauenfußball in Leimsfeld war nur von kurzer Dauer. Anfang der 80er-Jahre gab es nicht mehr genug fußballbegeisterte Frauen, und so wechselte das Trio zu Viktoria Großenenglis.

Aufstieg in Bezirksliga

Mit dem neuen Verein ging es bergauf bis in die Bezirksliga. Das Interesse am Frauenfußball fing an zu wachsen. Und am Spielfeldrand, wo bislang kaum jemand Frauen mit Bällen sehen wollte, standen nun immer mehr Zuschauer.

Heike Siebert hängte ihre Fußballkarriere 1983 an den Haken, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war. Vorher hatte sie es sich nicht nehmen lassen, mit einem Gipsarm zu heiraten. „Bei einem Turnier hatte ich mir den linken Arm gebrochen. Weißer Gips, weißes Kleid – das fiel kaum auf“, sagt die 51-Jährige, deren Tochter heute auch Fußball spielt.

Auch Bettina Richhardt, die noch heute von ihrem Stopp-Trick auf dem Fußballplatz schwärmt, hatte 1986 keine Augen mehr für den Ball. „Dann waren Jungs interessanter“, sagt sie.

Monika Schäfer lief noch bis 1990 für Viktoria Großenenglis auf. Nach einer Pause ging es von 2002 bis 2007 beim 2007 beim SV Antrifttal/ Merzhausen weiter. Mit Anfang 40 wollte sie ihre Knochen dann lieber schonen.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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