Mönche haben im Knüllcamp 60 Flüchtlinge aufgenommen

Muslime im Kloster: Im Knüllcamp in Schwarzenborn sind für einige Wochen 60 Flüchtlinge untergebracht. Die Mönche um Pater Thomas Andrew (rechts, sitzend) stellen den Menschen in dieser Zeit auch einen Gebetsraum zur Verfügung. Foto: Müller

Schwarzenborn. Bei den anglikanischen Mönchen im Schwarzenborner Knüllcamp sind in dieser Woche 60 Flüchtlinge angekommen. Unter ihnen sind sechs Familien und eine alleinreisende Mutter mit Kind.

Beten in Richtung Mekka

Angekommen seien die Menschen überraschend, sagt Pater Thomas Andrew, der die Unterbringung im Camp organisiert. Die Flüchtlinge sind aus Afghanistan, Syrien, Pakistan, dem Iran und Irak. „Es sind zu 99 Prozent Muslime bei uns im Kloster.“ Aus diesem Grund hätten die Mönche auch als erstes einen Gebetsraum für die Menschen eingerichtet. „Wir haben geschaut in welcher Richtung Mekka liegt und ihnen das gezeigt.“

Zwei Religionen

Im Knüllcamp treffen nun zwei Religionen aufeinander - für die Mönche sei das aber unwichtig, erzählt Andrew. „Für uns stand im Vordergrund, zu helfen.“ Um den Flüchtlingen ihren Aufenthalt in Schwarzenborn zu erleichtern, wollen sie bald mit Integrationskursen starten. Dann wollen sie den Menschen unsere Kultur erklären. Auch Deutsch sollen sie im Camp lernen, sagt der Pater.

Deutsch lernen will auch der 28-jährige Dawood unbedingt. Der Zahnarzt kam mit seiner Frau und seinen zwei und drei Jahre alten Töchtern aus dem Irak. Sobald er gut genug Deutsch spricht und eine Arbeitserlaubnis hat, möchte er hier in Deutschland wieder als Zahnarzt arbeiten, erzählt er.

Viel zu organisieren

Bevor die Kurse im Camp starten können, haben die Mönche aber noch einiges zu organisieren: Fahrten zu Ärzten müssen geregelt, die Wege zu den Geschäften erklärt und das Taschengeld an die Flüchtlinge verteilt werden. Plötzlich so viele Menschen zu versorgen sei aber kein Problem, sagt der Pater. „Unsere Küche ist groß genug, um für so viele zu kochen.“ Man habe nur darauf achten müssen, kein Schweinefleisch zu verwenden.

Bei der Verständigung helfen zwei Übersetzer. Sie sind selbst Flüchtlinge und seit etwa fünf Monaten im Kloster. „Wir hatten ihnen Kirchenasyl gewährt“, sagt Andrew. Camp als Notunterkunft

Das Knüllcamp dient als Notunterkunft, weil dort Gebäude mit Heizungen zur Verfügung stehen. Etwa zwei bis vier Wochen könnten die Flüchtlinge, die den Mönchen vom Landkreis zugewiesen worden seien, dort leben. Dann kämen wieder Gruppen für Weiterbildungen in das Camp, sagt der Pater.

Bei den Mönchen sei bereits vor einigen Monaten angefragt worden, ob sie die Möglichkeit hätten, Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir haben uns entschieden, in der Zeit Menschen aufzunehmen, in der wir wenige Gäste haben“, sagt Andrew.

Von Chantal Müller

Quelle: HNA

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