1953: Jüngster Mörder Deutschlands schlug in Bad Zwesten zu

Der damals 14-jährige Täter: Seinerzeit war er der bis dahin jüngste Mörder der Bundesrepublik. Die Bilder entstanden nach seiner Festnahme in Hamburg. Fotos: Tagebuch im Polizeikommissariat Homberg

Bad Zwesten. Der Täter war klein und schmächtig, das Opfer groß und kräftig: Als ein 16-jährige Berliner am 1. August 1953, einem Sonntag, in Bad Zwesten zufällig einen zwei Jahre jüngeren Freiburger traf.

Er freundete sich mit ihm an, wusste aber nicht, dass diese Verbindung mit dem 14-Jährigen fatale Folgen haben würde. Der Jüngere hatte seiner Großmutter in Freiburg Geld gestohlen und sich mit dem Fahrrad auf die Flucht gemacht. Er wollte zu seiner Tante nach New York reisen, heißt es im Tagebuch des Polizeikommissariats Fritzlar-Homberg. Eine Woche später traf der Junge in Bad Zwesten ein, wo er sein späteres Opfer kennenlernte. Beide baten den Bürgermeister um eine Unterkunft und wurden in einem früheren Pferdestall im Keller der Gastwirtschaft „Zur Krone“ untergebracht. Nach einem gemeinsamen Abendessen legten sie sich gegen 23.30 Uhr schlafen.

Gegen 4.45 Uhr drangen dichte Wolken aus dem Keller. Rasch löschte die Feuerwehr den Brand und machte kurz darauf einen grausamen Fund. Auf einer Pritsche fanden sie eine stark angekohlte und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche. Noch wussten die Männer nicht, wen sie vor sich hatten.

Kurz darauf wurde der Leiter der Gendarmerie in Fritzlar informiert, der sofort nach Bad Zwesten fuhr. Auf Höhe der Kalbsburg, etwa zwei Kilometer entfernt, begegnete er noch dem Mörder auf der Straße, fuhr aber weiter.

Die Meldung habe keinen Verdacht aufkommen lassen, dass dieser Junge mit dem noch kindlichen Gesicht der Täter sein könnte, hieß es später. Die Obduktion ergab ein erschreckendes Bild: Die Leiche wies schwere Schädelverletzungen auf, die durch einen stumpfen Gegenstand hervorgerufen worden waren. In den Unterlagen der Polizei ist von einem „etwa einem Meter langen und fünf Zentimeter dicken Eichenholzknüppel“ die Rede.

Der Tod sei jedoch durch eine Rauch-Vergiftung eingetreten. Der Täter hatte dem schlafenden Opfer mehrere Schläge auf den Kopf gegeben und anschließend das Lager in Brand gesetzt. Dann flüchtete er mit dem modernen Fahrrad des Opfers, sein altes Rad ließ der Täter am Tatort zurück.

Dazu hatte er Bargeld und Ausweis des Opfers gestohlen, am Tatort aber sein Notizbuch mit Anschrift und Aufzeichnungen über die Reise zurückgelassen. Durch diesen Trick wurden Täter und Opfer zunächst vertauscht. Doch die Obduktion brachte die Wahrheit ans Licht.

Daraufhin lief die Fahndung auf Hochtouren. Drei Tage später, am 5. August, hatte sie Erfolg. Der 14-Jährige wurde in Hamburg festgenommen. Der psychiatrische Sachverständige habe festgestellt, dass Auffassungs-, Darstellungs- und Urteilsvermögen des Jungen völlig normal seien und er die geistige und sittliche Reife zur Einsicht in die Ungesetzlichkeit der Tat besessen habe.

Deutschlands damals jüngster Mörder wurde von der Jugendstrafkammer des Marburger Landgerichts wegen Raubmordes und vorsätzlicher Brandstiftung zu zehn Jahren Jugendgefängnis verurteilt.

Quelle: Anlageband zum Tagebuch des Polizeikommissariats Fritzlar-Homberg vom 8. Mai 1945 bis zum 31. Dezember 1958.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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