18 Monate Gefängnis wegen gewerbsmäßigen Betrugs

Fritzlar. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilte das Amtsgericht Fritzlar einen 60-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen gewerbsmäßigen Betrugs in zwei Fällen.

Der Mann wurde aus einer Justizvollzugsanstalt aus Süddeutschland vorgeführt, in der er eine Strafe verbüßt. Ihm warf der Staatsanwalt nun neue Straftaten vor, nämlich mehrere Fälle von gewerbsmäßigem Betrug.

Die Taten soll der Mann in Edertal und anderen Orten im Zeitraum Oktober 2007 bis März 2009 begannen haben. Nur sehr zögerlich äußerte sich der Angeklagte über sich selbst.

"Wir sind Zigeuner. Ich habe bei meinem Sohn mitgeholfen. Wir machen in Schrott, Antiquitäten und Reinigungs- und Sanierungsarbeiten". Bei einer damals 68 Jahre alten Frau in Edertal habe man Reparatur- und Säuberungsarbeiten am Haus für 7500 Euro angeboten.

An Vorschussleistungen waren von der alten Dame an verschiedenen Tagen 3000 und 4000 Euro gezahlt worden. Die Forderung von 7500 Euro war völlig überzogen, weil die tatsächliche Arbeitsleistung nur etwa 1500 Euro umfasste.

Aus diesem Geschäft entstand der Hausbesitzerin ein Schaden von 6000 Euro. Der Angeklagte gab zwischenzeitlich 1500 Euro zurück. Dann kam man sich nach Ansicht des Angeklagten auch menschlich näher. So gelang es ihm mit zum Teil wahren, zum Teil erfundenen Geschichten die Frau dazu zu bewegen, ihm in Teilbeträgen rund 20.000 Euro Bargeld als Privatdarlehen zu geben.

Der Angeklagte versprach der Frau die Rückzahlung, nachdem er sein Haus verkauft habe. In der Verhandlung stellte sich heraus, dass er nur Schulden hatte und gar nicht der Eigentümer des Hauses war. Er hätte die Darlehen überhaupt nicht zurückzahlen können.

Auch eine Münz- und eine Briefmarkensammlung sowie einen Plattenspieler mit einer wertvollen Schallplattensammlung schwatzte er dem Opfer ab. Der Schaden für die Leichtgläubige beläuft sich auf insgesamt 28.900 Euro.

Der Fritzlarer Richter wies daraufhin, das die Verfahren wegen der minderschweren Betrugsfälle möglicherweise vorläufig eingestellt würden.

Nach Beratung mit dem Verteidiger erkannte der Angeklagte den Sachverhalt an, räumte die Taten ein und versprach, den Schaden wieder gutzumachen.

Mit Zustimmung von Staatsanwalt und Verteidiger stellte das Gericht die minderschweren Betrugsfälle vorläufig ein. Die Kosten des Verfahrens hat der Verurteilte zu zahlen. In dem rechtskräftigen Urteil sind offene Vorstrafen einbezogen.

Bereits im Dezember 2010 standen der 60-Jährige und ein 25-Jähriger wegen der Betrugsfälle in Fritzlar vor Gericht. Da damals weder Zeugen noch die Geschädigte gehört werden konnten, musste ein neuer Prozesstermin angesetzt werden.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare