Landgericht sprach Urteil im Fall der zweifachen Mutter

Sabrina H.: Fünf Jahre Haft für versuchten Kindermord

Kassel/Felsberg. Wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und gefährlicher Köperverletzung muss die 26-jährige Sabrina H. für fünf Jahre ins Gefängnis. So lautet das Urteil des Kasseler Landgerichts.

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Der Vorsitzende Richter Volker Mütze: „Sie wollte ihre Kinder umbringen“. Allerdings sei die Frau zut Tatzeit vermindert schuldfähig gewesen. Nach einer gescheiterten Ehe habe sie unter Depressionen gelitten.

Staatsanwalt Fabian Ruhnau, der sieben Jahre Haft gefordert hatte, hielt das Urteil in einer ersten Stellungnahme für „vertretbar“. Verteidigerin Inge Kurz (Homberg) sagte, Sabrina H. wolle jetzt „in sich gehen“. Erst dann könne sie sagen, ob man Revision einlege.

Wie berichtet, hatte die Frau im März 2009 nahe Felsberg-Helmshausen versucht, ihre Kinder Laura und Niklas (damals acht und fünf Jahre alt) in ihrem Auto mit Abgasen zu töten. Die Tochter konnte sich aber aus dem Wagen befreien und holte Hilfe. Die Polizei fand dann Mutter und Sohn im Auto. Beide waren bewusstlos und überlebten.

Was geht in einer Frau vor, die ihre eigenen Kinder umbringen will? Diese Frage warf Richter Mütze auch in der Urteilsbegründung auf. Im Fall Sabrina H. seien es sicher egoistische Motive gewesen, sagte er. Die Ehe lag in Trümmern, ein letzter Versöhnungsversuch mit dem Ehemann wenige Stunden vor der Tat war gescheitert.

Danach entschloss sich Sabrina H. offenbar, aus dem Leben zu scheiden – die Kinder sollten mit. Der Vorsitzende Richter: „Das war ein gezieltes Wollen, die Kinder umzubringen“.

Gleichwohl habe aus medizinischer Sicht eine Belastungsstörung vorgelegen, ausgelöst durch eine tiefe Depression. Daher sei die 26-Jährige nur eingeschränkt schuldfähig. Ihren Kindern hatte sie vorgelogen, man fahre zu einer Stelle, an der man Kontakt mit dem tags zuvor verstorbenen Familienhund „Angel“ aufnehmen könne. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei also erfüllt, so das Gericht.

Von Frank Thonicke

Quelle: HNA

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