Abfall auf Feldern wird zur tödlichen Gefahr für die Tiere 

Müll im Futter: Kühe starben im Altkreis Melsungen  

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Ist verärgert: Landwirt Reinhard Wagner aus Landefeld mit einem Magneten , der Kühen eingeführt wird, wenn sie Müllsplitter im Magen haben . 

Altkreis Melsungen. Mehrere Kühe sind auf Bauernhöfen im Altkreis Melsungen gestorben, weil kleingehäckselter Müll in das Futter geraten war. Tödlich für die Tiere sind vor allem Dosen und Flaschen, die auf Felder geworfen werden. 

„Eine Sauerei“ nennt es Thomas Jung, der in Schnellrode einen Bio-Bauernhof betreibt. Vor zwei Monaten verendete eine seiner insgesamt 80 Kühe, weil Müll in das Tierfutter gelangt war. „Die Tiere husten Blut und brechen sich die Lunge aus dem Leib.“

Der Biobauer ist sauer. Vergangenes Jahr waren es vier Kühe, die er auf diesem Wege verlor. Metall- und Plastikstücke gelangen durch Abmähen der Felder kleingehäckselt in das Futter. Die Tiere fressen die häufig spitzen Gegenstände mit.

Dadurch können die Mägen aufgerissen werden, Entzündungen und Abszesse entstehen. Gelangen Stücke zum Herz, kann es zu Herz-Kreislauf-Stillstand kommen, erklärt Tierarzt Dr. Jürgen Ziesach aus Waldkappel, der regelmäßig Bauernhöfe im Schwalm-Eder-Kreis aufsucht. Wenn die gefährlichen Stücke erst im Magen sind, dauere es nicht lange, bis die Tiere verenden. Im vergangenen Jahr sei es besonders schlimm gewesen, sagt Bauer Jung. Sein Hof liegt unmittelbar an der Bundesstraße 484 zwischen Spangenberg und Hessisch Lichtenau. „Tüten von Mc Donalds, Fernseher, Elektrogeräte – da liegt alles herum“, sagt Jung.

Biobauer Reinhard Wagner aus Landefeld hält seine Kühe im Freien. Dort fressen sie häufig auch Müll mit, der an Feldrändern liegt. „Die Kühe können nicht trennen, was sie fressen. Sie fressen alles mit.“ Deswegen schluckten sie häufig Kronkorken oder Bierdeckel. Sichtbaren Müll trennt der Bauer, der auf seinem Hof gemeinsam mit seinem Sohn Stefan Wagner 20 Kühe hält „Häufig sind die Dosen aber ins Gras eingewachsen“, erklärt er – und landen für die Tiere lebensgefährlich im Futter. „Wir sind in der Landwirtschaft extrem angreifbar“, sagt Wagner.

Auf dem Hof Berninger in Niedervorschütz habe es vergangenes Jahr drei Fälle gegeben, bei denen Kühe durch kleingehäckselten Müll im Futter verendeten. „Die Tiere waren organisch gesund“, sagt Landwirt Eckhard Berninger. Die Täter, die den Müll auf die Felder werfen, seien so gut wie nicht auszumachen. „Wir erstatten dann Anzeige gegen Unbekannt“, sagt Jung.

Stellen die Bauern fest, dass eines ihrer Tiere Teile von Flaschen oder Dosen im Magen hat, rufen sie einen Tierarzt. Dieser führt einen Magnet über den Mund in die betroffene Kuh ein, der Metallstücke aus dem Magen zusammenziehen soll. Das gehe aber nur, wenn sich die Stücke noch nicht in den Magen eingestochen haben, erklärt Tierarzt Dr. Jürgen Ziesach.

20 Fälle seien es im vergangenen Jahr gewesen, bei denen Bauern den Arzt kontaktieren, weil Tiere Müll im Magen hatten. Schluckt das Tier Teile einer Getränkedose, sei es nicht mehr zu retten. „Die sind nicht magnetisch“, schildert der Tierarzt. Eine weitere Methode, um die Kühe zu retten, ist die Untersuchung mit einem Fremdkörpersuchgerät. Von außen wird die Kuh damit nach Metall abgetastet.

Quelle: HNA

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