Frielendorferin bangt um ihre Mutter

Mit mulmigem Gefühl: Ukrainerin beobachtet Umbruch in der alten Heimat

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So sieht es in der Ukraine auch aus: Violetta Olesin (46) mit der Ansicht der Burg des Ortes Mukatschev in der Ukraine, der in der Nähe der ungarischen Grenze liegt.

Frielendorf. Wenn Violetta Olesin an ihre Mutter denkt, dann wird ihr schon Mal bang ums Herz. Olga Pap lebt im ukrainischen Mukatschev. Auch wenn die Unruhen der vergangenen Tage von der Hauptstadt Kiew nicht bis in den Ort an der ungarischen Grenze gedrungen sind, bleibt die Situation in dem Land angespannt.

Die Welt blickt zurzeit auf die Ukraine, die vor einem politischen Umbruch steht. Die blutigen Ausschreitung auf dem Maidan (Platz in der Hauptstadt der Ukraine in Kiew) in den vergangenen Wochen, die zum Sturz des Präsidenten Janukowitsch und zu Neuwahlen des Parlaments führten, beschäftigen natürlich die Frielendörferin nun besonders.

Auch sie sitzt ständig vor dem Computer und dem Fernseher und verfolgt die rasante politische Entwicklung, auch über russische und ukrainische Sender. Sie kennt die Zustände des Landes, das zwischen Europa und Russland steht, nur zu gut. „Die Macht hat allein die Korruption“, sagt sie.

In der Ukraine könne man nur etwas erreichen, wenn man genügend Geld habe. Alles sei käuflich, sagt sie, zuckt mit den Schultern und zieht die Mundwinkel nach unten. „Das haben viele Ukrainer einfach satt“, fügt sie hinzu.

Zu den Anhängern des Umbruchs gehört auch die Mutter der 46-Jährigen. Olga Pap lebt von einer kleinen Rente, umgerechnet etwa 100 Euro, obwohl die 67-Jährige als Bürokauffrau immer gearbeitet hat.

Wenig Lohn, hohe Preise

Das Preisniveau in der Ukraine sei aber sehr hoch, die soziale Absicherung quasi nicht vorhanden, eine Krankenkasse gibt es nicht. Ihre Tante sei sehr krank und müsse die gesamte Behandlung selbst zahlen, was sie aber nicht könne. In der Konsequenz gehe sie einfach nicht zum Arzt. Die Wirtschaft liege am Boden. Leere Fabriken und verlassene Betriebe prägten das Bild, Arbeit gebe es sehr wenig.

Die Schere zwischen Arm und Reich sei ungeheuer groß. Als Mensch ohne Beziehungen könne man dort im Leben nichts erreichen, auch wenn man noch so viel arbeite. Auch in Deutschland müsse man hart arbeiten, um weiterzukommen. In der Ukraine sei dies aber schlicht nicht möglich.

Das führe bei vielen zu Frustration und Hoffnungslosigkeit, letztlich seien das Auslöser der Aufstände. „Das musste passieren, weil die Ungerechtigkeiten nicht mehr zu ertragen waren.“

Aber Olesin bezweifelt stark, dass sich mit einem Regierungswechsel nun wirklich etwas ändert. Wenn, dann werde das sehr lange dauern. Zu stark sei die Unterwanderung und die Korruption. Immer wieder höre man, dass auch Oppositionelle dazu gehörten. „Da müssten nun ganz andere Leute gewählt werden – junge und unverbrauchte“, sagt sie. Dann bestünde vielleicht Hoffnung.

Nun bangt sie aber erst einmal, dass sich die Lage nicht weiter zuspitzt und es nicht doch noch zu einem Bürgerkrieg kommt. „Das würde mir für meine Familie dort sehr leid tun“, sagt sie. Im Moment zweifelt Violetta Olesin auch, ob sie dieses Jahr überhaupt ihre Verwandte in der Ukraine besuchen soll.

Da habe sie schon ein mulmiges Gefühl.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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