Multiple Sklerose hat viele Gesichter

Nina Emmeluth ist an MS erkrankt: Sie will auf die Krankheit aufmerksam machen.

Felsberg. „Ich habe Multiple Sklerose. Und keiner sieht es.“ Unter diesem Motto steht der Welt-MS-Tag 2011, der heute begangen wird. In diesem Jahr stehen die unsichtbaren Symptome der unheilbaren chronischen Erkrankung im Mittelpunkt.

Sie können die MS-Betroffenen erheblich belasten, gerade wenn das private und berufliche Umfeld mit Unverständnis und Skepsis reagiert.

Nina Emmeluth aus Felsberg bekam die Diagnose MS kurz nach ihrem 31. Geburtstag. Was mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen anfing, war nach den Untersuchungen beim Neurologen schnell klar: Multiple Sklerose. Der erste Gedanke der jungen Frau: „Das ist doch die Krankheit, bei der man zwangsläufig im Rollstuhl landet.“

Keinesfalls, wie Nina Emmeluth inzwischen weiß. Multiple Sklerose, auch als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet, ist in Verlauf und Beschwerdebild von Patient zu Patient verschieden. Was mit bleierner Müdigkeit, vermehrtem Stolpern oder Beeinträchtigungen beim Sehen beginnt, kann in Schüben bis zu massiven körperlichen Behinderungen führen.

Kann, muss aber nicht. Bei der jungen Frau sind es vor allem Sensibilitäts- und kognitive Störungen wie Merkfähigkeit und Konzentration. Ihr Schulterblatt ist taub; die Finger können nicht so schnell und gezielt greifen wie bei gesunden Menschen.

Manchmal hätte sie einfach keine Lust, der Umwelt zu erklären, warum sie beispielsweise nicht problemlos Kleingeld von der Kasse im Supermarkt aufsammeln kann, warum sie nicht hochhackig laufen mag. „Ich habe leider auch erlebt, dass Mitmenschen, die von meiner MS hören, scheinbar überfordert waren. Entweder kam Mitleid, was ich überhaupt nicht möchte oder ein plumper Spruch wie ’Hab dich nicht so’.“

Bei ihrem Arbeitgeber, einem kleinen Ingenieurbüro in Melsungen, hatte die Bauzeichnerin von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Man einigte sich auf vier Stunden Arbeit am Tag.

Auch Ehemann Thorsten, ein Physiotherapeut, hat sich mit Ninas unheilbarer, unberechenbarer Krankheit arrangiert. Zwar musste der Kinderwunsch nach der Diagnose begraben werden, aber das Paar freut sich über jeden Tag, an dem es Nina gut geht.

Trotzdem ist Nina Emmeluth eine Frohnatur: „Es klingt kitschig, aber ich lebe wirklich intensiver. Ich kann nicht mehr alles unternehmen, das Motorradfahren fehlt schrecklich. Aber die machbaren Möglichkeiten wie Klettern und Radfahren erfreuen mich.“

Quelle: HNA

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