Blech in klarster Form

Munich Brass Connection: Ein Konzert der Kontraste vor dem Dom

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Munich Brass Connection: Mambo hieß das Zauberwort beim Konzert vor dem Dom. Tubist Fabian Heichele gab den Einsatz zu den Mambo-Rufen der Zuhörer.

Fritzlar. Melancholische, klagende Melodien erklangen von fern und kamen näher. Dann zogen fünf Musiker mit Trompeten, Posaune, Horn und Tuba und mit bedächtigen Schritten vor dem Publikum vorbei zur Bühne am St.-Petri-Dom in Fritzlar. „Just a Closer Walk“ hieß der Gospel, den die Munich Brass Connection blies.

Vor manchem geistigen Auge konnte das Bild einer Trauerprozession aus New Orleans entstehen. Schnell schien der Sarg im Grab versenkt und kontrastvoll setzte der Tempowechsel ein. Flotte Dixielandrhythmen verkündeten: Nun wenden wir uns wieder dem Leben zu.

Meisterliches Spiel

Kontraste bestimmten die beiden folgenden Stunden. Die standen unter dem Motto: „Von der Isar bis zum Hudson – American Images“. In dem Streifzug ging es um die Musik amerikanischer Komponisten des 20. Jahrhunderts, in der Liebe, Freude, Leiden und soziale Konflikte hörbar wurden. Was Thomas Berg, Konrad Müller, Matthias Krön, Michael Hufnagel und Fabian Heichele, ganz stilvoll in dunklem Anzug und mit einfarbiger Krawatte boten, war ein harmonisches Miteinander und ein präzises, meisterliches Spiel ihrer Instrumente.

Gut 450 Zuhörer erlebten herrliche Bläserklänge. Leonard Bernsteins Musik war in beiden Konzerthälften vertreten. Zuerst mit den fünf kurzen Sätze der „Dance Suite“. Humorvolle und lebhafte Melodien und die Walzer- und Tangorhythmen verwiesen darauf, dass der berühmte Dirigent die hintersinnigen Stücke ursprünglich zum 50-jährigen Bestehen des American Dance Theatre New York im Jahr 1990 komponierte.

Ein Hauch von Traurigkeit wehte zwischen Dom und Rathaus, als Samuel Barbers „Adagio for Strings“ aus dem Jahr 1938 ertönte. Empfindsame Klängen und ein Schlussakkord, der wie gehaucht entschwebte, inspirierten die Zuhörer dazu, sich einen Moment der Ruhe zu gönnen. Der sollte nicht lange dauern.

Das Ensemble sorgte für einen radikalen Stimmungswechsel mit „Four Sketches for Brass Quintet“ von Anthony Plog. Dissonante Töne, Synkopen und rasante Tempi verwoben sich zu aufregenden Klanggeflechten.

Bernstein zum Zweiten, hieß es nach der Pause. Fünf Stücke aus der „West Side Story“, dem Musical über rivalisierenden Straßenbanden in New York, wurden gespielt. Rastlos, pulsierende Tonfolgen und Rhythmen charakterisierten die „Jets“. Beschwingt und tänzerisch die „Sharks“. Zauberhaft warmen Schönklang verströmten die Bläser mit den Lovesongs „Maria“ und „Tonight“, in denen Tuba und Posaune im Duo verschmolzen.

Auch die Stücke „East St. Louis Toodle-Oo“ von Duke Ellington, „Theme from New York“ von John Kander und „Sixteen Tons“ von Merle Travis, arrangierte Ingo Luis, Bassposaunist im WDR-Rundfunkorchester.

Die großartige Musik des Quintetts und die humorvolle Begleitung durch das Programm von Thomas Berg und Fabian Heichele, ließen einen wundervollen Abend im Rahmen des Kultursommers Nordhessen entstehen.

Quelle: HNA

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