Kultursommer Nordhessen: Schauspieler Achim Amme las Werke der Brüder Grimm

Muntere Märchenstunde

Pointierter Leser: Schauspieler und Autor Achim Amme nahm am Mittwoch die Zuhörer in der Hospitalskapelle mit auf eine fantastische Reise. Foto: Rose

Treysa. In der Reihe „Europäisches Märchen- und Sagenfest“ des Kultursommers Nordhessen gastierte am Mittwochabend der Autor und Schauspieler Achim Amme in der Hospitalskapelle in Treysa. Unterstützt von den Firmen SMA und Konvekta und der Stadt Schwalmstadt präsentierte er sein Programm „Rotkäppchen und Co.“ und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Märchen der Brüder Grimm. In lebhaften Parabeln und Geschichten brachte Achim Amme den Gästen die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen sowie Märchenfassungen von Autoren wie Janosch oder Ringelnatz näher.

Dass die Welt auch im Märchen häufig alles andere als heil ist, der Grat zwischen Freud und Leid manchmal gefährlich nah beieinander liegt, das erfuhren die Lauschenden im Märchen „Das Bürle“. Darin kommt ein armes Bäuerlein mit Geist und Raffinesse zu plötzlichem Reichtum – allerdings stirbt zuvor das komplette Dorf aus, weil das Bürle alle anderen Bauern hinters Licht führt. Amme schlüpfte mit pittoresker Leichtigkeit in die verschiedenen Sprechrollen: persiflierte, heroisierte, übertrieb und unterstrich mit fein dosierter Mimik und Gestik. Der Sage vom „Eigensinnigen Kind“ verlieh der Schauspieler und Autor binnen weniger Sätze eine subtile Bedrohlichkeit.

Weil ein Kind seiner Mutter nicht folgt, lässt Gott es unheilbar erkranken. Noch aus dem Grab streckt es immer wieder: „Und erst als die Mutter mit der Rute auf das Ärmchen schlägt, findet das Kind Ruhe unter der Erde“, erzählte Amme. Indes gab es aber auch genügend zum Schmunzeln: Das Märchen vom Hase und dem Igel verpackte der Schauspieler in schnoddrigem Ton und mit leiser Ironie in Plattdeutsch. Nicht aber ohne sich vorher zu erkundigen: „Ist jemand aus Bayern dabei? Gut, dann haben wir auch kein Problem.“ Auf Ironie folgte beißender Sarkasmus. Wenn Janosch Grimm-Märchen erzählt, dann klingt das in etwa so wie in „Fix und fertig der Soldat“: „Nach dem Krieg war alles so wie einst – nur Mord Totschlag gab es nicht.“ Die Parabel erzählte, wohin blinder Gehorsam führen kann – nämlich bis in den Tod.

Kurios mutete auch der Schwank vom „faulen Heinz“ an, der eigentlich einen Zaun zwischen sich und dem Nachbar hätte bauen müssen. Stattdessen heiratete er dessen ebenfalls faule Tochter Trine. In einem waren sich beide einig: „Es gibt nichts besseres auf der Welt, als sich Arbeit zu ersparen.“ Und so ersparte sich das Paar auch die Arbeit für ein Kind und blieb stattdessen lieber auf dem Canapé liegen. „Und dort liegen sie wohl heute noch“, erzählte Amme. Das Publikum honorierte die Märchenstunde mit viel Applaus.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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