Vokalensemble Anklang musizierte vor 150 Gästen in der Treysaer Stadtkirche

Musik mit jiddischer Seele

Applaus für die Solistin: Karina Neumann (Mitte) wurde nicht nur vom Publikum mit reichlich Beifall bedacht, sondern auch vom Chor und den Instrumentalisten. Foto: Rose

Treysa. Jiddisch – jüdisch – Klezmer: Diese drei Worte beschrieben am Samstag das neue Programm des Vokalensembles Anklag, das am Abend in der Treysaer Stadtkirche auftrat. Die eineinhalbstündige, hervorragend abwechslungsreiche und sehr ausgefallene Auswahl jiddischer Kompositionen und Filmmusik hatte der Chor unter der Leitung von Stefan Reitz vorbereitet.

150 Gäste lauschten den Stimmen sowie dem Klezmer-Projekt-Ensemble. An der Klarinette war Markus Euler zu hören, Annika Reitz an der Geige, Franziska Reitz am Klavier und der Querflöte, Stefan Reitz spielte Klavier und Akkordeon. Das Vokalensemble trat insgesamt an zwei aufeinander folgenden Abend auf, am Sonntag noch einmal in der Klosterkirche Spieskappel.

Individuelle Klangsprache

Im ersten Teil brachten die Instrumentalisten und Sänger dem Publikum jiddische Lieder und Klezmer-Musik näher: Als Klezmer bezeichnet man eine jüdische Volksmusiktradition. Der Begriff bezog sich zunächst auf die Musiker. Erst in den 1970er-Jahren, seit der Wiederbelebung der Musik in den USA, meint er die musikalische Stilrichtung. Man versteht darunter vorwiegend instrumentale Musik.

Diese individuelle Klangsprache setzten die Ensembles perfekt um: In drei israelischen Liedern schien der Geist des jüdischen Glaubens wahrhaft aufzuleben. Den schnellen Wechsel zwischen Dur und Moll und die orientalische Harmonik transportierten die Musiker auf beeindruckende Art und Weise. Lebhaft, expressiv, dabei aber doch elegant und getragen wirkte die Spielweise des hervorragend aufeinander abgestimmten Ensembles.

Mit „Hine mah tov“ interpretierte der Chor den Psalm 133 - „Seht doch, wie schön es ist, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen“. In wahrhaft klangvolle Schmuckstücke verwandelte der Chor zwei Stücke des Komponisten Shalom Sekunda: „Dos Kelbl“ und das 1938 durch die Andrews Sisters in den USA populär gewordene Werk „Bei mir bist du scheen“. Solistin Karina Neumann sang den Titel mit entsprechender Koketterie und einer starken Stimme. Dass ihr Timbre den Vergleich mit Barbra Streisand nicht scheuen musste, bewies Neumann im zweiten Teil des Abends. Fünf Titel aus dem Film „Yentl“ – in dem sich Streisand, nur um den Talmut studieren zu können, in einen jungen Mann verwandelt – hatte Reitz ausgesucht und bewies damit ein gutes Händchen.

Eindringliche Texte

Die eindringlichen Texte kamen dank des ästhetischen und exakten Vortrages von Karina Neumann hervorragend an, unterstützt wurde sie vom erfrischend natürlichen Chor. Mit dem Abendsegen „Shalom aleichem“ verabschiedete sich das Vokalensemble vom Publikum – allerdings nicht ohne den minutenlangen Applaus sichtlich zu genießen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare