Muslime werben für Bestattung ohne Sarg - Borken reagiert

Schwalm-Eder. Die Stadt Borken plant, auf dem neuen Friedhof eine Fläche für Bestattungen nach muslimischem Recht zu schaffen. Damit reagiert sie auf ein aktuelles Thema: Erst vor kurzem hatten Muslime im Hessischen Landtag um Rücksicht auf die islamische Bestattungskultur gebeten.

Sie sieht unter anderem vor, die Toten nicht in Särgen, sondern in weiße Tücher gehüllt zu beerdigen. Noch aber sind Bestattungen ohne Sarg im Landkreis nicht erlaubt: in Hessen gilt die Sargpflicht.

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Borken gehört nun zu den ersten Städten in der Region, die sich den Beerdigungsritualen anderer Kulturen öffnet: „Wir sind längst eine multikulturelle Gesellschaft - da können und wollen wir uns solchen Wünschen nicht verschließen“, sagt Pressesprecher Siegfried Bank.

Die Zahl dieser Wünsche sei zurzeit noch überschaubar, sagt Recep Akdag vom türkisch-islamischen Kulturverein in Borken. Das aber werde sich in den nächsten Jahren ändern. Während die erste Generation der Gastarbeiter in der alten Heimat begraben werden wolle, stelle sich das für ihre Kinder und Enkel ganz anders dar: „Sie wollen dort beerdigt werden, wo sie auch gewohnt haben“, sagt Akdag: „In der neuen Heimat, aber nach alten Ritualen.“

Um diese alten Rituale - Totenwaschungen, Ausrichtung der Gräber nach Mekka, Ruhestätten, die auch nach Jahrzehnten nicht angetastet werden - vollziehen zu können, werden die Verstorbenen bislang noch in ihre alte Heimat geflogen und dort beerdigt.

In spätestens 20 Jahren jedoch, da ist sich Recep Akdag aus Borken sicher, werde im Schwalm-Eder-Kreis die Forderung nach muslimischen Friedhöfen lauter, zugleich aber auch die Akzeptanz für Beerdigungsrituale aus anderen Kulturen steigen. „Dann wird es auch für unseren Glauben und unsere Rituale eine Platz geben.“

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Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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