Muslimische Gemeinde im Kreis zum Islam-Video

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Gesprächsbereit: Muslime der Ahmadiyya-Gemeinde in Wabern werben beim Tag der offenen Moschee – hier ein Archivbild – auch für ein tolerantes Miteinander der Religionen. 

Schwalm-Eder. „Das ist eine Provokation“, sagt Recep Akdag von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Borken. Samina Nadien von der Ahmadiyya-Gemeinde in Wabern sagt: „Wir finden das traurig“. Es geht um das auf der Internetplattform Youtube veröffentlichte Video, das den Islam angreift.

„Die Darstellung des heiligen Propheten Mohammed entspricht nicht der Wahrheit,“ findet Nadien. Aber eine Sache schockiert sie viel mehr: „Wie andere Muslime darauf reagieren, können wir nicht gutheißen. Mohammed selbst hat in seinem Leben so viel Leid erfahren, aber auch nie mit Gewalt reagiert. “

Die Muslimin hat mit anderen Mitgliedern ihrer Gemeinde viel über das islamfeindliche Video diskutiert. „Aber mit Gewalt gegentreten? Das machen wir nicht.“

Ähnlich sieht das Recep Akdag von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Borken: „Das war nicht das erste und wird nicht das letzte Mal sein, dass so etwas passiert. Die Hauptsache ist, dass wir den Machern nicht die Möglichkeit geben, uns zu provozieren.“

Er fand das Video „schockierend und unethisch“. Aber: „Es ist amateurhaft, macht keinen Sinn und hat kein Thema. Es ist schwachsinnig.“ Also rate er seinen Gemeindemitgliedern, es nicht ernst zu nehmen. Dieser Rat kam seiner Meinung nach von den Gelehrten in den südlichen Ländern viel zu spät. Es sei eine Schande, dass deshalb eine Vielzahl von Menschen ums Leben gekommen ist. Die Menschen seien in eine Falle getappt.

Akdag ist sich sicher: „Mit so einem Video können sie doch unseren Propheten nicht vor eineinhalb Milliarden Muslimen schlecht machen.“

Eine Demonstration lade immer auch Gegner ein: „Und gerade in Großstädten tauchen fremdenfeindliche Menschen vor Moscheen auf und wollen provozieren.“ Im Schwalm-Eder-Kreis sei das zum Glück nicht der Fall, sagt er.

Auch Nadien ist gegen Demonstrationen: „Bei uns klärt man Streit mit der Feder.“ Das heißt: Offen diskutieren, Leserbriefe schreiben.

Recep Akdag würde sich freuen, wenn das Video verboten werden könnte: „Meinungsfreiheit ist wichtig, aber nur, solange die Freiheit von anderen nicht beschränkt wird.“ Vor allem, wenn es um den Glauben als Lebenssinn der Menschen gehe.

„Ich denke nicht, dass man es verbieten kann“, sagt dagegen Samina Nadien. „Es ist aber auch jedem selbst überlassen, es anzuschauen oder nicht. Zum Beispiel, um zu wissen, worüber hier überhaupt geredet wird.“

Das sei nämlich oft nicht der Fall: Viele der Demonstranten seien einfach auf die Straßen gegangen, ohne genau den Hintergrund des Films zu kennen. Nadien stellt klar: „Das ist der falsche Islam, der da dargestellt wird. Wir wollen unsere wahre Lehre zeigen.“

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

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