Papst Benedikt XVI.

Katholische Geistliche zum Papst-Rücktritt: „Mutiger Schritt nach vorn“

Schwalm-Eder. Die Nachricht vom Rücktritt des Papstes hat die Katholiken überrascht. Auch Schüler und Lehrer der Ursulinenschule, die zu deren 300-jährigen Bestehen mit 1000 Schülern und Lehrern im Herbst den Papst besuchen wollten, werden um eine Audienz bei Benedikts Nachfolger nachfragen müssen.

„Das kam völlig unerwartet“, sagte in einer ersten Stellungnahme dazu Kaplan Jürgen Kämpf von der Katholischen Domgemeinde St. Petri in Fritzlar. Die Entscheidung sei zwar betrübend, denn er sei ein großartiger Papst gewesen. Aber man müsse sie respektieren. Gerade für die deutsche Kirche sei der Rücktritt ein Verlust, er habe jedoch zum Wohl der Kirche gehandelt.

„Ungewöhnlicher Schritt“

Den Rücktritt eines Papstes habe es in der 2000-jährigen Kirchengeschichte erst einmal gegeben, sagte der Treysaer Pfarrer Michael Brüne der katholischen Gemeinde Heilig Geist: „Es ist ein ungewöhnlicher Schritt.“ Er selbst sei betrübt und erschüttert über den Entschluss.

Der Papst habe seine Entscheidung gewissentlich abgewogen. „Er ist geistig auf der Höhe der Zeit“, sagte der Pfarrer über Benedikt XVI. Brüne betonte, welch herausragender theologischer Gelehrter der Papst sei: „Er wird sicher zu den großen Gestalten des Papsttums gehören.“ Benedikt XVI. habe sich immer für den Dialog in der Welt stark gemacht. Selbst erlebt hat der Treysaer Seelsorger den Papst auf einer Syrienreise im September 2012.

Brüne vermutet, dass sich der Papst aus gesundheitlichen Gründen zu diesem Schritt entschloss. Nun heißt es für die katholische Kirche, sich mit dieser Situation vertraut zu machen: „Es gibt keine Erfahrungswerte, von denen wir profitieren könnten.“

Es ist für Pfarrer Brüne jedoch nicht ungewöhnlich anzunehmen, dass sich der Papst nun aus der Öffentlichkeit zurückzieht. Benedikt XVI. habe gesagt, er wolle der Kirche weiter im Gebet dienen: „Ob er damit meint, er geht in ein Kloster, lässt sich nur vermuten.“

Völlig überraschend

Als eine „mutige Entscheidung“ bezeichnete Gemeindereferent Hubert Ziegler aus Gudensberg die Ankündigung von Benedikt XVI. Sie sei jedoch völlig überraschend gekommen. Zuletzt war Papst Coelestin V. im Jahr 1294 aus Gewissensgründen freiwillig zurückgetreten, außerdem gab es einen weiteren Papst, der zum Rücktritt gezwungen worden war.

„Es scheint ihm gesundheitlich schlecht zu gehen“, mutmaßt Ziegler. Eine Weltkirche mit einer Milliarde Menschen zu leiten, sei in hohem Alter nicht mehr zumutbar. Benedikt sei zudem nicht der Typ, der bis zum Ende bleibe, wenn er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühle. Zudem hätten ihn die Skandale, vor allem auch um den Missbrauch, stark belastet, meint der Gemeindereferent.

Mit seinem Rücktritt gehe Benedikt XVI. einen Schritt hin zu einer modernen Kirche, die Türen öffneten sich für eine neue Generation. Ohnehin habe er sich wohl eher als Übergangspapst gesehen. (ula/cls)

Quelle: HNA

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