Mutterglück, aber Jobfrust

Frau hat bei Arbeitsplatzsuche Probleme – Grund soll Kind sein

+
Weg vom Herd: Viele Frauen entscheiden sich nach der Geburt ihres Kindes dafür wieder zu arbeiten.

Wolfhager Land. Simone Möller (Name von der Redaktion geändert) sitzt am Küchentisch. Die 30-Jährige will ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Softwareexpertin ist ratlos.

Seit der Geburt ihrer Tochter im vergangenen Jahr suche sie nach einem Job, sagt sie. Dafür habe sie über 25 Bewerbungen geschrieben, aber immer wieder landen nur Absagen in ihrem Briefkasten.

„Manchmal bekomme ich überhaupt keine Reaktion“, sagt die junge Mutter enttäuscht. Angefangen habe alles mit der Schwangerschaft. Simone Möller unterschrieb einen für ein Jahr befristeten Vertrag bei einem Unternehmen. Einige Zeit später bemerkte sie, dass sie im dritten Monat schwanger war. Sie arbeitete bis zur Geburt des Kindes, sagt sie.

Die ersten fünf Monate ihrer Arbeitszeit zahlte die Bundeswehr 70 Prozent ihres Gehaltes. Dort hatte sie ihre Ausbildung zur Softwareexpertin gemacht. Zur Bundeswehr gekommen war die ursprünglich aus Brandenburg stammende Frau durch ihren Lebensgefährten.

Während der Elternzeit begann die junge Mutter in dem Unternehmen vier Tage à drei Stunden auszuhelfen. Finanziell rechnete sich das für sie nicht, wie sie erzählt. Doch ihr Vertrag war ausgelaufen und Simone Möller hoffte, wieder eingestellt zu werden. Als Teilzeitkraft wollte sie arbeiten. Daraus wurde nichts.

Wege trennten sich

Die Softwareexpertin sollte kopieren, statt in ihrem Beruf zu arbeiten. „Das ging so nicht. Unsere Wege mussten sich trennen“, erzählt die Mutter. Kurz Zeit nachdem Simone Möller das Unternehmen verlassen hat, stellt ihr ehemaliger Chef eine Teilzeitkraft ein, wie sie wütend beschreibt.

Seitdem bewirbt sich die Mutter für Stellen - auch unterhalb ihrer Qualifikationen, die ein dicker Ordner mit Zertifikaten und Zeugnissen bestätigen. Ihre Bewerbungen sind in einer Liste der Agentur für Arbeit sorgfältig aufgelistet. Bei einigen Unternehmen fehlen noch die Rückmeldungen. Auch die Termine, wo sie sich vorgestellt hat, sind eingetragen.

In den Gesprächen würde sie häufig gefragt, warum sie arbeiten wolle. Sie habe schließlich ein Kind. „Ich erkläre die Betreuung. Die Leute hören zu, aber man merkt einen Bruch.“ Weil sie Probleme hat einen Job zu finden, habe ein Bearbeiter der Arbeitsagentur ihr geraten, das Kind aus dem Lebenslauf zu streichen, sagt sie. Das könne ihr helfen, bei den Firmen einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Umkreis von 50 Kilometern

Simone Möller fühlt sie an den Herd gekettet. Arbeiten sei für sie ein Stück Leben. Aber auch ihre kleine Familie hat sie im Blick, mit der sie im Wolfhager Land lebt. Deshalb bewirbt sie sich nur im Umkreis von 50 Kilometern. Mehrmals am Tag überprüft sie ihre E-Mails, aber der Posteingang sei leer. Ihre letzte Option sei es, sich zwölf Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. Das beinhalte Auslandeinsätze und Bildungsreisen durch Deutschland.

Ihre letzte Option sei es, sich zwölf Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. Das beinhalte Auslandeinsätze und Bildungsreisen durch Deutschland. (mad)

Das sagt die Arbeitsagentur:

Der Rat das Kind aus dem Lebenslauf zu streichen, macht Gerhard Fenge, den Teamleiter der Agentur für Arbeit in Wolfhagen, ratlos. Manchmal kämen Informationen falsch an. Das müsste konkret besprochen werden. Denn eigentlich sei ein Kind in der heutigen Zeit kein K.O.-Kriterium für einen Job.

Es gebe jedoch auch Ausnahmen. „Vorbehalte kann man nicht ausschließen“, erklärt Fenge. Die Gründe dafür könnten beispielsweise wechselnde Schichten sein. „Sie machen es den Frauen schwer die Betreuung des Kindes sicher zu stellen“, sagt der Teamleiter.

Entscheidend sei außerdem, wie die Betreuung des Kindes im Vorstellungsgespräch dargestellt wird. Gut sei es zu sagen, man habe sich das Arbeiten gut überlegt. Mit der Betreuung gebe es kein Problem. Hingegen zu betonen, wie froh man sei das Kind untergebracht zu haben, sei wenig hilfreich. (mad)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare