Gewerbe- und Wohngebiet am Körler Berg würde Biolandhof Fläche kosten

Nabu kritisiert neues Baugebiet

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Auf dieser Wiese soll ein neues Gewerbegebiet entstehen: von links Gottfried Maßmann und Hans Joachim Hühner von der Nabu-Ortsgruppe Körle sehen das kritisch. Im Hintergrund das bestehende Gewerbegebiet "An der Eiche".

Körle. Das neue Baugebiet, das die Gemeinde Körle ausweisen will, stößt auf Kritik: Die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) beklagt mangelnde Bürgerbeteiligung und den Verlust von Grünfläche. "Wir hätten uns eine Bürgerversammlung zum Thema gewünscht", sagt Gottfried Maßmann vom Nabu.

Auf dem fünf Hektar großen Gelände am Körler Berg zwischen Herkulesstraße, Söhrestraße und dem Gewerbegebiet "An der Eiche" sollen Wohngrundstücke und Gewerbeflächen entstehen (die HNA berichtete). Die Gemeindevertreter haben am Montagabend beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Wohnungen sind gefragt

CDU und SPD waren sich einig, dass das Neubaugebiet nötig sei, um die Einwohnerzahl Körles stabil zu halten und Gewerbe in die Gemeinde zu holen. In der Sitzung wurde aber auch deutlich, dass das neue Baugebiet streitbar ist. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Oetzel (SPD), "das ist kein unproblematisches Gelände." Und CDU-Vorsitzender Michael Greiner räumte ein: "Wir tun der Landwirtschaft keinen Gefallen."

Hintergrund

Durch das neue Baugebiet verliert ein Biolandhof Grünfläche. Allerdings will die Gemeinde Körle künftig Ökolandwirte bei der Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen bevorzugen. Das Ziel: Bis zum Jahr 2016 sollen 50 Prozent der Flächen an zertifizierte ökologisch wirtschaftende Betriebe aus Körle verpachtet werden. Bestehende Pachtverträge sollen gekündigt und neu ausgeschrieben werden. (jul)

Denn die Fläche ist derzeit an Ute und Martin Reichert verpachtet, die einen Biolandhof betreiben und Milchkühe halten. "Wir verlieren die Hälfte unseres Grünlands", sagt Ute Reichert, "das ist ein großer Verlust." Für sie als Biolandwirte sei dies ein Problem, weil sie nur eine Kuh pro Hektar halten dürften. Einen vollen Ersatz werde es nicht geben, fürchtet sie: "Die Konkurrenz um Ackerfläche in der Region ist groß."

Für Gottfried Maßmann ist das paradox: "Mit dem Baugebiet sollen Gewerbetreibende nach Körle geholt werden - aber gleichzeitig wird ein anderes Gewerbe, nämlich die Landwirtschaft, verdrängt."

Der Nabu sei nicht grundsätzlich gegen Bautätigkeit in Körle, betont er. "Aber wir bezweifeln, dass der Bedarf für so viel Baugrundstücke da ist." Zudem sei das Gelände, das direkt an der vielbefahrenen Kreisstraße 158 liegt, als Wohngebiet nicht sehr attraktiv, gibt Nabu-Mitglied Hans Joachim Hühner zu bedenken. Mögliche Alternativen -etwa die Nutzung von innerstädtischen Baulücken - seien aus Sicht des Nabu nicht ausreichend geprüft worden.

Bürgermeister Mario Gerhold widerspricht: Die Nachfrage nach Baufläche sei da - das zeigten allein die vielen Suchanfragen auf der Homepage der Stadt. "Die wenigen freien Flächen innerorts sind in Privateigentum, also für uns nicht verfügbar." Auch eine mangelnde Bürgerbeteiligung weist er zurück: "Wir stehen noch ganz am Anfang der Planungen, der erste Bauabschnitt wird erst in 2014 erschlossen." Bis dahin werde es reichlich Gelegenheit geben, mitzureden - zum Beispiel am kommenden Freitag. Dann wird sich der Bürgermeister mit Vertretern der Nabu-Ortsgruppe zum Gespräch treffen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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