Nach drei Jahren Suche: Gynäkologe Dr. Peter Klecka übergibt Praxis

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Stabwechsel in der Frauenarzt-Praxis: Dr. Peter Klecka (rechts) und sein Nachfolger Johann Thießen. 

Melsungen. Drei Jahre lang hat der Melsunger Frauenarzt einen Nachfolger gesucht. „Ich wollte jemanden mit Erfahrung und Gefühl“, sagt der 68-Jährige. In dem 57-jährigen Johann Thießen hat er ihn gefunden. Am Freitag, 1. April, vollzieht sich der Wechsel – in Raten.

Denn freitags wird Thießen in den Diakonischen Kliniken in Kassel, wo er über elf Jahre in der Gynäkologie gearbeitet hat, operieren. Künftig dann als Honorararzt, landläufig Belegarzt genannt. Freitags also wird Dr. Klecka die Frauen untersuchen und behandeln. An den vier anderen Wochentagen ist Thießen für die Patientinnen da.

Drei Jahre gesucht

In den drei Jahren seiner Suche hatte Klecka Anzeigen geschaltet, mit Kollegen gesprochen und auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Mit mehreren Interessenten habe er in den drei Jahren verhandelt, aber seine Vorstellung, dass der Neue in erster Linie menschlich und weniger hinter dem Geld her sein soll, hatte keiner erfüllt. Bis zum September vergangenen Jahres. Da erfuhr Thießen von der Praxis in Melsungen.

Der Wunsch nach Selbstständigkeit war da, dann habe er überlegt, ob er den Schritt in seinem Alter wagen sollte, und rief an.

Von da an ging alles recht schnell. Fehlte nur noch die Zustimmung der KV. Die kam per 22. März, und nun erfolgt die Übergabe.

Für Klecka ist es zwar kein plötzlicher Schritt, aber doch einer, den er mit gemischten Gefühlen tut. 36 Jahre hat er in Melsungen praktiziert und liebt seine Arbeit noch immer. Nun hat er zwar mehr Zeit für die Familie, vor allem für die Enkel, und auch zum Reisen. Doch ein Hobby, dem er sich nun verstärkt widmen könnte, hat er nicht. Dass er vorerst freitags die vertrauten Räume, die langjährigen Mitarbeiterinnen und einige seiner Patientinnen wiedersehen kann, ist für ihn, der seinen Beruf so liebt, eine Beruhigung. Aber so sagt der Fast-Ruheständler: „Der Beruf wird mir fehlen.“

Ganz anders Johann Thießen: Für ihn ist die eigene Praxis ein neuer Lebensabschnitt. Ab Montag wird er die ersten seiner künftigen Patientinnen kennenlernen.

Dabei ist er in Melsungen kein gänzlich Unbekannter. Einige Frauen der Handballer haben mit seiner Hilfe ihr Kind geboren.

Eigentlich hatte Thießen, der aus Russland stammt und Sohn einer Hebamme ist, Orthopäde werden wollen. In der Ausbildung kamen Gynäkologie und Geburtshilfe als Letztes dran, und damit die Entscheidung: „Da war mit der Orthopädie Schluss.“

Die Herkunft und die eher zufällige Schritt in diesen Fachbereich verbindet die beiden Mediziner: Dr. Peter Klecka stammt aus Tschechien und kam 1968 während des Prager Frühlings nach Deutschland. Für den Medizinalassistent in Wiesbaden war zuletzt die Frauenheilkunde an der Reihe. Sein Chef habe ihm angesichts seiner diagnostischen Fähigkeiten geraten, dabei zu bleiben.

Johann Thießen hat in Moskau studiert und kam 1991 nach Kassel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder: Die Älteste studiert, die Jüngste geht noch zur Schule, der Sohn macht gerade Abitur – und der Vater pendelt künftig an vier Wochentagen nach Melsungen.

Quelle: HNA

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