Herbert schickt's jetzt

Nach halbem Leben hinterm Tresen gibt Schrecksbacher Wirt seine Kneipe auf

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Hinter der Theke: Herbert Lotz betreibt seit 1980 die kleine Dorfwirtschaft Schlossgarten in Schrecksbach. Nun will er sich zur Ruhe setzen.

Schrecksbach. Sechsmal die Woche außer montags steht Herbert Lotz hinter dem Tresen seiner Dorfkneipe Zum Schlossgarten in Schrecksbach. 34 Jahre lang betrieb er die Gastwirtschaft im Herzen der Schwalm, nun will er sich zur Ruhe setzen. „Es schickt", sagt er auf gut Schwälmisch.

Noch vor ein paar Jahren hatte er täglich offen, doch der 67-Jährige kann nicht mehr wie früher und das Geschäft läuft auch nicht mehr so gut. Im April will der gelernte Fleischer und Koch aufhören. Bis vor vier Jahren, als seine Frau starb, hielt das Ehepaar gemeinsam den Zapfhahn am Laufen. Als sie 1980 den Gastraum mit Kegelbahn übernahmen, „sah es noch aus wie eine Bahnhofshalle“. Rasch wurde es gemütlicher und rustikaler, Holzverkleidung kam an die Wände, Gardinen an die Fenster und Fotos von Feierlichkeiten schmücken den Gastraum.

„Früher haben wir durchgefeiert.“ Heute schließt der Wirt zwar immer noch, wenn der letzte Gast geht, doch das ist meist gegen Mitternacht. Denn neben Herbert Lotz sind auch seine Stammgäste älter geworden, der älteste Gast ist 81 Jahre alt.

Kritik am Rauchverbot 

Die kleinen Dorfkneipen in der Schwalm wie der Schlossgarten brummten vor ein paar Jahren noch ordentlich. „Das Rauchverbot hat viel kaputt gemacht“, erinnert sich der Wirt. Er hatte lange Zeit Dämmerschoppen und bunte Silvesterfeiern angeboten, eine Gruppe hatte jede Woche Skat gespielt. „Doch die Leute wollen ihre Zigarette dazu rauchen.“

Allein saß er allerdings noch keinen Abend in seiner Kneipe. „Einer kommt immer.“ Was ein guter Wirt braucht, weiß der 67-Jährige: Man muss schweigsam sein und ein breites Kreuz haben. Einmal habe ihn eine Frau als faul beschimpft und ihm Bier ins Gesicht geschüttet, nichts für zarte Gemüter. Er habe viel über seine Gäste aus Schrecksbach erfahren, darüber legt Lotz den Mantel des Schweigens. Die Geschichten kannte nicht einmal seine Frau.

Reich wird man mit einer Gastwirtschaft nicht: „Höchstens reich an Erfahrung“, fügt der Röllshäuser an. „Von einer kleinen Kneipe kann man heute nicht mehr leben.“ Die Unkosten seien zu hoch und die Verkaufspreise müsse man auf dem Land moderat halten. Zudem steckte der 67-Jährige viel Arbeit in sein Lebenswerk. „Bei mir gab es noch nie etwas zu beanstanden.“ Die Bierleitung war bei ihm immer sauber, darauf ist er stolz.

Die Gemeinde Schrecksbach sucht nun einen Nachfolgepächter.

Die ersten zwei Wochen im Ruhestand will Herbert Lotz in den Urlaub fahren. In die Berge, dort war er immer gern. „Doch ich werde meine Kneipe schon vermissen“, sagt er.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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