Eklat bei VdK-Jahreshauptversammlung: Entschuldigung kam per Post

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Sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl: Dieter Briegel aus Wolfhagen. Seine Frau Beate besuchte stellvertretend für ihn die Jahreshauptversammlung der VdK-Ortsgruppe Wolfhagen und wurde dort von zwei Mitgliedern scharf angegriffen. Am Freitag nun hatte das Ehepaar einen Brief von VdK-Ortsgruppenchef Karl-Heinz Schacht in der Post, in dem er sich entschuldigt für die Äußerungen der beiden Frauen.

Wolfhagen. Auf ein persönliches Wort hat Beate Briegel bislang vergeblich gewartet. Immerhin hatte sie am Freitag einen Brief in der Post, in dem sich der Vorstand des VdK-Ortsverbandes Wolfhagen für die Äußerungen zweier Mitglieder entschuldigt, die während der Jahreshauptversammlung Mitte März gefallen waren und zum Eklat geführt hatten.

Damals hatte die 49-Jährige stellvertretend für ihren beinamputierten Mann Dieter in der Gaststätte „Zum Chattenturm“ das Treffen besucht. Dort war sie auf ihre Bitte, künftig für die Mitgliederversammlung einen barrierefreien Raum zu wählen, von zwei Frauen so scharf attackiert worden, dass sie in Tränen ausbrach. So hatte die Ehefrau des Ortsgruppenvorsitzenden Karl-Heinz Schacht gemeint, dass sie nicht willens sei, wegen einer Person zum Dorfgemeinschaftshaus nach Istha zu fahren. Und eine weitere Frau habe gesagt, dass sich ihr Mann doch eine Windel anlegen möge, so Briegel (wir berichteten). Bestätigt wurde die Aussage von weiteren Besuchern der Veranstaltung.

Austritt aus dem VdK 

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Die 88-jährige, gehbehinderte Sophie Bernst hatte ebenfalls die Versammlung besucht. Sie hatte sich so sehr über die Äußerungen geärgert, dass sie aus dem VdK austrat. Das Gleiche wollen nun auch die Briegels tun. Die schriftliche Entschuldigung des Vorstandes akzeptierten die Eheleute zwar. Allerdings fehle ihnen „das Menschliche, das Persönliche“. Auf Unverständnis stößt bei dem Paar ein Absatz im Brief (liegt der HNA-Redaktion vor). Dort erklärt Karl-Heinz Schacht, dass eine Verlegung der Versammlung in die barrierenfreie Stadthalle „Kosten und einen größeren Aufwand für den ehrenamtlich tätigen Vorstand und die Mitglieder“ nach sich ziehen würde. Im Gespräch mit der HNA fügt er an: „Es müssen Stühle gestellt werden. Wer soll das denn machen?“ In der Gaststätte „Zum Chattenturm“ sei der Raum fix und fertig. Kosten entstünden dem VdK allerdings auch dort.

Verbale Angriffe 

Der VdK-Kreisvorsitzenden Luise Hartmann hat der Vorfall in den vergangenen Wochen Bauchschmerzen bereitet, immer wieder wurde sie angesprochen und sogar verbal angegriffen. Sie selbst hatte die Jahreshauptversammlung nicht besuchen können und von dem Eklat einen Monat später aus der HNA erfahren. Umgehend habe sie Sophie Bernst angerufen (von den Briegels hatte sie keine Rufnummer) und sich entschuldigt. „Wenn ich bei der Versammlung gewesen wäre, wäre das alles wohl nicht passiert“, sagt Hartmann. Schon im Vorfeld der Jahreshauptversammlung sei es sehr ungeschickt vom Vorstand gewesen, auf einen an ihn adressierten Brief nicht zu reagieren. Darin hatte Familie Briegel gefragt, ob die Sitzungen nicht in einem behindertengerechten Umfeld stattfinden könnten.

„Wäre mir das passiert, hätte ich spätestens während der Sitzung das Problem aus dem Weg geräumt“, sagt Hartmann. Sie hätte erklärt, dass sie keine Gelegenheit gehabt hätte, auf den Brief zu antworten und sich der Ortsverband nun aber mit der Anfrage befassen werde.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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