Nach Tod der Eltern: Kirchliches Amt hat für Familiengericht keine Gültigkeit

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Familienglück: Mutter Angelika Hügues mit der vier Monate alten Johanna. Im Hintergrund erklärt Vater Reinhold der fünfjährigen Helene und dem zweijährigen Aaron ein Bilderbuch.

Melsungen. Mit der Konfirmation ihres Schützlings endet für die meisten Paten formell die Verpflichtung, sich um den jungen Menschen zu kümmern, den sie einst übers Taufbecken gehalten haben. Dann ist das Kind von einst aus dem Gröbsten raus.

Doch viele Eltern wünschen sich nach der Taufe ihres Babys nicht nur Unterstützung bei der religiösen Erziehung. Sie denken auch an den Fall ihres Todes - und weisen damit dem Paten eine Aufgabe zu, die das Familiengericht gar nicht anerkennt.

„Gerade dann wird das Patenamt besonders wichtig“, sagt beispielsweise Reinhold Hügues aus Melsungen, wenn er den schrecklichen Gedanken ausspricht, der seiner Ehefrau Angelika die Tränen in die Augen treibt.

Ihre vier Monate alte Tochter Johanna hat gleich drei Frauen unterschiedlichen Alters als Patentanten: Annelotte Braner (15), Nathalie Hügues (16) und Silke Wortmeier (35). Natürlich wollen Angelika Hügues und ihr Ehemann Reinhold die Verantwortung für ihr jüngstes Kind und auch für den zweijährigen Aaron und die fünfjährige Helene nicht abwälzen.

Aber sie denken auch daran, dass ihnen etwas passieren könnte, bevor die Kinder erwachsen sind. Und dann könnten auch die Paten „den Kindern beistehen“. Alles andere regeln die verantwortungsbewussten Eltern mit Hilfe eines Juristen.

Denn für sie hat das kirchliche Amt in erster Linie eine religiöse Funktion: „Es ist wichtig, dass der Pate eine besondere Beziehung zum Kind aufbaut und auch vielleicht mehr Zeit mit ihm verbringt,“ meint der Vater, und die Mutter ergänzt: Und dass sich die Patin mit dem Kind versteht.“ Auch während der Pubertät, wenn Eltern „peinlich“ werden oder die Beziehung problembeladen wird: „Dann sollte der Pate als Bezugsperson da sein.“

Denn selbst wenn ihre Kinder noch jung sind, weiß Reinhold Hügues: „Es können ja auch Konflikte mit den Eltern entstehen, und dann braucht das Kind eine Bezugsperson.“ Diese sollte dann auch auf der Grundlage des eigenen Glaubens dem jungen Menschen Antworten geben. Aus eigener Erfahrung kennt Reinhold Hügues noch einen weiteren Aspekt des Patenamtes: Seine 76-jährige Patentante besucht er öfter und pflegt zu ihr einen intensiveren Kontakt als zu anderen Verwandten. Hat er früher von ihr viel empfangen, so kann er diese Zuwendung jetzt zurückgeben: „Da wendet sich die Hilfsbedürftigkeit.“

Quelle: HNA

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