Schuhproduktion ist Geschichte

Turbulente Geschichte: Hinter den Kulissen von Schuh Rohde

Herz des Rohde-Unternehmens: In der vollverglasten Schuh-Entwicklungs-Abteilung entstehen die Prototypen für neue Rohde-Kollektionen – zunächst am Computer. Fotos:  Grede

Schwalmstadt . Insolvenz, Entlassungen, Produktionsschluss und wieder Entlassungen: Die jüngste Geschichte des Schwalmstädter Schuhherstellers Rohde war turbulent. Seit dem vergangenen Jahr werden am Ziegenhainer Standort keine Schuhe mehr gefertigt. Wir warfen einen Blick hinter die Kulissen.

Noch liegt der Geruch von Kleber in der Luft, vereinzelt surren große Industrienähmaschinen: Zusammengerückt sind sie, die Menschen, die noch am Ziegenhainer Standort des Schuhherstellers Rohde arbeiten. Zu blühenden Unternehmenszeiten waren das bis zu 600, gerade mal 180 Menschen bevölkern jetzt noch den großen Firmenkomplex in der Erich-Rohde-Straße in Ziegenhain.

Entwickelt Schuhe am Computer: Schuhtechniker Manfred Dirlam.

Nur noch wenige Autos sieht man auf dem Firmenparkplatz, im Verwaltungsgebäude steht ein ganzer Bürotrakt leer, die meisten der Plätze an den Nähmaschinen sind leer, die Maschinen in der großen Produktionshalle sind verschwunden: Die großen Geräte wurden ins Ausland verlagert, den Menschen, die sie bedienten, blieb nur der Gang zum Arbeitsamt.

Die Entwicklung von Rohde habe zu diesem Leerstand geführt, sagt Geschäftsführer Oliver Kraxner. „Wir werden die ein oder andere Fläche haben, für die wir ein neues Raumkonzept entwickeln müssen.“

Bei einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro produziert die Rohde-Gruppe nach Angaben von Kraxner weltweit drei Millionen Paar Schuhe, die Ideenschmiede dafür ist weiterhin in Schwalmstadt. „Rohde bleibt eine deutsche Marke“, betont Kraxner. Pro Saison werden vom Schwalmstädter Team derzeit 250 verschiedene Modelle entwickelt.

Nähen Prototypen: von links Egzona Arifi und Elke Rommel.

Schuhentwicklung, Lohn- und Materialkalkulation sowie Preisermittlung: „Wir sorgen dafür, dass ein Schuh draus wird“, erklärt Manfred Dirlam seinen Job. Einen Großteil seiner Arbeitszeit verbringt der Schuh- und Ledertechniker am Computer. Die Ansicht seines Bildschirms gleicht einer Wetterkarte. Unter anderem entwickelt er Modellschablonen für Schuhteile.

Nebenan im großen Nähsaal schiebt Elke Rommel vorsichtig das geraffte Schuhoberteil und -unterteil der ratternden Nadel entgegen. Prototypen, Größe 37 und 41, näht sie mit einer ganz speziellen Technik - dem Strobeln. So wird der Schuh besonders flexibel und wetterfest.

Die, die bei Rohde geblieben sind, blicken vorsichtig verhalten nach vorn. Sie sind mit vereinten Kräften dabei, die Marke Rohde neu zu positionieren. Dafür steht auch die neue Kollektion unter dem Motto „Rohde entspannt“, die Kollektionsleiterin Karin Robic im sogenannten Showroom im Verwaltungsgebäude präsentiert: Moderner, jünger, schick und bequem, so soll der Rohde-Schuh künftig wahrgenommen werden.

Von Sylke Grede

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Quelle: HNA

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