Vorübergehend zieht Umsonstladen ein

Schreibwaren Schomburg schließt - Ära endet nach 146 Jahren

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Mussten sich eingestehen, dass die Mischung aus Fairtrade-Produkten und Schreibwaren nicht reicht, um ihr Geschäft in der Burgstraße weiterzuführen: Thomas Bölke und Nadine Schomburg schließen zum Jahresende die traditionsreiche Schreibwarenhandlung Schomburg.

Wolfhagen. Sie erinnert sich noch gut an jene Zeit, als sie im Laden ihres Großvaters hinter der Theke gestanden und eifrig die Kunden bedient hat. Drei Jahre war sie alt, vielleicht auch vier, das weiß Nadine Schomburg nicht mehr so genau.

Schulhefte, Bleistifte, Füller – bei Schreibwaren Schomburg in Wolfhagen vis-a-vis der Stadtkirche gab es für die Kleine viel zu entdecken, im Traditionsgeschäft, das Urgroßvater Georg Schomburg 1867 vor dem Umzug in die Burgstraße zunächst in der Mittelstraße aufgebaut hatte. Viele Stunden hat die heute 37-Jährige dort verbracht, die kleine Bücherecke „leergelesen“ und ihre unzähligen Sammelalben mit Stickern bestückt. „Ich saß ja an der Quelle“, sagt sie heute lachend.

All die Erinnerungen hatten auch dazu beigetragen, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Bölke vor drei Jahren den Laden übernahm. Viel hatten die beiden vor, mussten jedoch schnell feststellen, dass die heutige Realität nichts mehr mit den Erinnerungen von einst gemein hat. Die Türklingel läutete nur noch selten, Großkunden wie Stadtverwaltung und Schulen kauften längst nicht mehr im Traditionsgeschäft ein. „Das war ganz schön ernüchternd, mit Preisen von Internetgroßhändlern konnten wir einfach nicht mithalten“, sagt Schomburg. Aufgeben kam für sie dennoch nicht in Frage, so erweiterte sie gemeinsam mit ihrem Mann das Sortiment, konzentrierte sich neben den Schomburg-üblichen Waren auf fair gehandelte Produkte von Kaffee und Tee über Schokolade bis hin zu Geschenkartikeln.

Nur eine laue Brise

Der frische Wind entpuppte sich jedoch schnell nur als laue Brise. „Es reicht einfach vorn und hinten nicht“, sagt sie und hat sich deshalb entschlossen, der Ära Schreibwaren Schomburg ein Ende zu setzen – nach 146 Jahren. „Zum 31. Dezember werden wir schließen“, sagt sie etwas wehmütig und beginnt doch zu lächeln, wenn sie vom finalen Schlussverkauf berichtet. „Wir wollen etwas Gutes tun und sämtliche Gewinne des letzten Monats gemeinnützigen Organisationen spenden, die die Kunden selbst bestimmen können.“

Sie wolle die Welt verändern, mehr nicht, sagt sie zur Motivation und verweist auf den Verein FAIRändern, den sie mit gegründet hat. Dieser werde Anfang des neuen Jahres in den Räumen des heutigen Schreibwarenladens auch vorübergehend einen Umsonstladen einrichten. „Wir sind noch bis März gebunden und wollen die Zeit sinnvoll nutzen“, sagt Schomburg. Bis zu drei Teile dürfe dann jeder Kunde mitnehmen, ohne zu bezahlen, die angebotene Ware stamme aus Spenden, wovon jederzeit mehr willkommen seien. Außerdem träumt das sozial engagierte Paar von einem Repair-Café, in dem jedermann für kleines Geld Dinge reparieren lassen könnte, statt sie wegzuwerfen. „Es könnte für Wolfhagen ein weiterer Schritt in Richtung Fair Trade Stadt sein“, sagt Schomburg. Ein Ziel, das sie sich mit ihren Vereinskollegen gesteckt hat. Ihr Motto: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“ (zhf)

Quelle: HNA

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