Die Frauenhilfe Niedergrenzebach traf sich zum letzten Mal zum Mittagessen

Nach 90 Jahren ist Schluss

Letztes gemeinsames Foto: Die Damen der Frauenhilfe Niedergrenzebach versammelten sich zum Gruppenbild mit Gemeindepfarrer Gerrit Auel vor der evangelischen Kirche in Niedergrenzebach. Foto: privat

Schwalmstadt. Nach knapp 90 Jahren ehrenamtlicher Arbeit hat sich die Gruppe der Frauenhilfe Niedergrenzebach aufgelöst. Der Grund: Es gibt keine Nachfolgerin für die Leitung.

Zum Jahresende trafen sich die 23 Frauen zu einem letzten gemeinsamen Mittagessen. Dort wurde wehmütig zurückgeblickt auf vergangene Zeiten und gemeinsame Erlebnisse, Ausflüge und Familienabende. Wie bei den vergangenen Frauentreffen der letzten Jahrzehnte wurde „geschwatzt“ und gelacht. Aber auch die fehlende Zukunftsperspektive war Thema. „Die jungen Frauen haben heutzutage andere Interessen“, sagte Kassiererin Elisabeth Orth.

Viele Frauen führten ihre ehrenamtliche Arbeit mehr als 50 Jahre aus. Mit mehr als 60 Jahre im Amt ist Dorothea Wenzel am längsten dabei.

Einige auf Hilfe angewiesen

Die mittlerweile hochbetagten Frauen der Gruppe sind über 70 und 80 Jahre alt und nun teilweise selbst auf Hilfe angewiesen.

Unter der Schirmherrschaft von Kaiserin Auguste wurde die deutsche Frauenhilfe 1923, ins Leben gerufen. In Niedergrenzebach gründete Pfarrersfrau Emilie Hebel die Frauenhilfe am 23. Januar 1923 mit 12 Frauen - symbolisch in der Nachfolgerschaft Jesu. Über die Jahrzehnte wurde durch sie in der Gemeinde viel bewirkt: Sie halfen jungen Müttern, kranken alten Menschen, förderten Kinder und unterstützten den Kirchenvorstand.

Frauen waren sehr engagiert

Manche Anschaffung, wie die Leuchter in der Kirche, wäre ohne die Spendenaktionen der Frauenhilfe Niedergrenzebach nicht möglich gewesen. Zwei besonders engagierte Pfarrersfrauen seien Marie Dengler und Margarete Voss gewesen. Dengler habe ab 1940 den Frauen viel von ihrer Erfahrung und Liedgut mit auf den Weg gegeben, Voss leitete anschließend ab 1969 die Frauenhilfe in der Amtszeit ihres Mannes für 26 Jahre.

An vielen Abenden trafen sich die Frauen zum Handarbeiten. Eine in akribischer Weißstickerei gearbeitete Altardecke in der Kirche zeugt davon.

Aus den Augen verlieren wollen sie die Frauen nach dem letzten Treffen aber nicht: „Dann und wann ein Wiedersehen“, wünschten sich viele. Auch die Gemeinde wird die regen Damen und deren Unterstützung vermutlich vermissen. (nni)

Quelle: HNA

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