Jahreshauptversammlung mit Folgen

Nach Kritik: Keile bei der Feuerwehr in Niederelsungen?

Niederelsungen. Ärger bei der Feuerwehr: Wurde Niederelsungens Ortsvorsteher Norbert Schmidt am Sonntagmorgen von einem Mitglied der Einsatzabteilung verprügelt?

Nach Schmidts Darstellung war es so, die Feuerwehr bestreitet die Vorwürfe. Zeugen, die Schmidts Version bestätigen, konnte der 61-Jährige bislang nicht präsentieren. Belegen könne er aber die Gewalt gegen seine Person, wie er betont, durch sichtbare Prellungen an der linken Körperseite, die er fotografiert und auch am Montag bei einem Gespräch mit Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) gezeigt habe.

Nach einer offenbar harmonisch verlaufenen Jahreshauptversammlung, die gegen 21.30 Uhr beendet war, soll es gegen zwei Uhr zur Eskalation gekommen sein. Auf dem Weg zum Ausgang habe er am Tisch der Aktiven-Abteilung vorbei gehen müssen. Dort sei er angepöbelt, als „Feuerwehrhasser“ und „Feuerwehrzerstörer“ beschimpft worden. Hintergrund sei wohl gewesen, dass er während seines Grußwortes den Neubau des Feuerwehrstützpunktes in Wolfhagen kritisiert habe, der erheblich teurer werde als ursprünglich erwartet. 

Aus den Reihen der Einsatz-Abteilung sei er von einer Person angegangen worden. „Es gab reihenweise Schläge auf die Rippen und in die Magengrube.“ In einer WhatsApp-Nachricht, die er gegen 3.45 Uhr verschickte, sprach er allerdings von Schlägen ins Gesicht.

Norbert Schmidt

Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Beide Seiten sind sich wohl verbal angegangen“, es habe aber keine Schläge gegeben. Brunst, der am Samstag die Jahreshauptversammlung der Wolfhager Wehr besucht hatte, sagt, er habe mit den betroffenen Niederelsunger Feuerwehrleuten am Sonntag über die Vorwürfe gesprochen. Nach deren Schilderung sei Schmidt „rausgegangen worden. Er wurde gewissermaßen gelenkt, und dann wurde hinter ihm die Tür zugemacht“. Dass es ohne Schläge gelaufen sei, „das haben mir alle in die Hand geschworen“.

Seit 50 Jahren Mitglied

Ortsvorsteher Norbert Schmidt, der für das Bündnis Wolfhager Bürger (BWB) auch in der Wolfhager Stadtverordnetenversammlung sitzt, ist bei der Feuerwehr offensichtlich nicht sonderlich beliebt, obwohl er betont, seit fast 50 Jahren selbst Mitglied der Wehr zu sein.

„Er ist gegen die Feuerwehr, es hat mit ihm schon genug Diskussionen gegeben“, so das Urteil von Stadtbrandinspektor Frank Brunst. Aber deswegen lasse sich noch keiner dazu hinreißen, den Ortsvorsteher zu schlagen.

Er zweifele die Darstellung des Ortsvorstehers an, der ja in seiner nächtlichen Nachricht über WhatsApp von Schlägen ins Gesicht geschrieben habe. Am Sonntagvormittag habe er, Brunst, Ortsvorsteher Schmidt beim Neujahrsempfang der Waldbühne Niederelsungen gesehen. Blessuren im Gesicht habe er da keine entdecken können.

Das bestätigte auch Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos). Auch er habe am Sonntagvormittag keinerlei Verletzungen im Gesicht des Ortsvorstehers gesehen. Schmidt habe ihm bei dieser Gelegenheit auch die Rippenpartie gezeigt. „Das war jetzt nicht blau“, sagte Schaake. „Es war errötet, die Haut war an ein paar Stellen etwas rot.“

Widersprüchliche Aussagen

Der Magistrat der Stadt traf sich am Montag um 16.30 Uhr, um über die Vorwürfe zu sprechen. Stadtbrandinspektor Frank Brunst hatte darum gebeten. Der Bürgermeister: „Wir müssen jetzt sehen, ob wir das klären können. Wir haben da zwei Aussagen, die nicht zusammenpassen.“ Und weiter: „Es sind beide ehrenamtliche Leute, die sind uns lieb und wichtig.“ Schaake machte aber auch deutlich, dass er eine Klärung für durchaus schwierig hält: „Das war nachts um drei Uhr, und alle hatten was getrunken.“

Norbert Schmidt betonte: „Ich habe weder jemanden beleidigt, noch jemanden angefasst, noch mich fehlverhalten.“ Während der von ihm beschriebenen Attacke „bin ich ruhig stehen geblieben und habe mich nicht gewehrt“.

Die steigenden Kosten beim Neubauprojekt des Wolfhager Feuerwehrstützpunktes zu kritisieren, sei allemal angebracht. Er habe darauf hingewiesen, dass es nicht dazu kommen dürfe, dass andere freiwilligen Leistungen der Stadt angesichts der hohen Baukosten eingeschränkt werden.

Bislang hat Schmidt keine Anzeige erstattet. Er wolle auch die Ergebnisse des Magistrats abwarten „und dann meine Konsequenzen daraus ziehen“. 

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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