Nach Rockfest: Kein Akteneinsichtsausschuss in Wolfhagen

Wolfhagen. Das Soundcircle-Desaster ist zum Politikum geworden. Denn um das Defizit von fast 35.000 Euro, das durch das schlecht besuchte Rockspektakel in der Ex-Kaserne entstanden ist, ausgleichen zu können, mussten die Stadtverordneten jetzt handeln.

Die Verwaltung soll die "notwendigen Mittelverschiebungen", wie es sperrig im Verwaltungsdeutsch heißt, vornehmen und im Nachtragshaushalt 2010 veranschlagen.

Am Ende stimmten die Parlamentarier - bis auf den Grünenvertreter Peter Kranz -  für dieses Finanzmanöver. Zuvor gab es einen kurzen verbalen Schlagabtausch in der jüngsten Parlamentssitzung, in der sich Bürgermeister Reinhard Schaake einigen Attacken ausgesetzt sah.

Der Bündnisgrüne Kranz sprach etwa von Missachtung der Stadtverordneten, "wenn wir vom Bürgermeister und dem Magistrat über die Tageszeitung mit Sachinformationen versorgt werden". Die Stadtverordneten, so Kranz, seien jedenfalls im Vorfeld des Musikfestivals in der Ex-Kaserne nicht eingebunden worden.

Angesichts von städtischen Schulden in Millionenhöhe und eines "Schattenhaushalts mit weiteren Schulden in Millionenhöhe für das Gewerbegebiet Hiddeser Feld" müsse man voraussetzen, dass Bürgermeister und Magistrat mehr als genau prüften, "was sich die Stadt derzeit zusätzlich leisten kann". Die Verwaltung unter Bürgermeister Schaake habe ihre Kompetenzen überschritten.

Kranz: "Damit sind er und der Magistrat für das Defizit verantwortlich." Der CDU-Fraktionschef Helmut Flörke unterstellte dem Bürgermeister ein nicht besonders großes Interesse im Vorfeld des Musikereignisses. "Nachher wunderbar zu repräsentieren", das sei dann etwas anderes. Reinhard Schaake wies Desinteresse und fehlende Informationen zurück. "Die Gremien hatten sich damit beschäftigt, es gab auch eine Risikoabwägung", so der Verwaltungschef.

"Wir hoffen, dass sich gerade die Jugendlichen von diesem Misserfolg nicht leiten lassen und sich deshalb nicht mehr engagieren. Dies wäre ein zusätzlicher Verlust."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiko Weiershäuser hingegen warf Kranz blanken Populismus vor. Die Stadtverordneten seien gleichwohl im Vorfeld in das Rockfest eingebunden gewesen. Außerdem sei es aus Vertragsgründen kurz vor dem Soundcircle gar nicht möglich gewesen, die Notbremse zu ziehen, wie das von Peter Kranz angesprochen wurde, weil der Kartenvorverkauf "mehr als Besorgnis erregend war".

Dem Begehren von Kranz, einen Akteneinsichtsausschuss wegen der Affäre Soundcircle einzurichten, wurde eine klare Absage erteilt. SPD-Mann Weiershäuser sprach diesbezüglich von beginnendem Wahlkampf, sei CDU-Kollege Flörke von heißer Luft. Ungeachtet der Soundcircle-Pleite gab es in allen Reihen ein Lob für das Engagement der Jugendlichen.

Marc Orf, Fraktionschef der Wolfhager Liste, sagte: "Wir hoffen, dass sich gerade die Jugendlichen von diesem Misserfolg nicht leiten lassen und sich deshalb nicht mehr engagieren. Dies wäre ein zusätzlicher Verlust." (awe)

Quelle: HNA

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