Abfindung

Streit mit Hephata beendet - Fießler: "Bin vollständig rehabilitiert"

Fritzlar/Kassel. Mit einem Vergleich endete die juristische Auseinandersetzung zwischen der Leiterin der Sozialpsychiatrie in Fritzlar, Annemarie Fießler, und Hephata. Fießler sieht sich als "voll rehabilitiert" und erhält eine Abfindung.

„Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich wieder ein normales Leben führen kann“, sagte Annemarie Fießler am Donnerstag nach einer Verhandlung vor dem Kasseler Arbeitsgericht. Bereits zum zweiten Mal ging es dort um die Kündigung der ehemaligen Leiterin der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar. Fießler einigte sich mit ihrem Arbeitgeber am Donnerstag auf einen Vergleich.

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Ihr Arbeitsverhältnis wird zum 31. Dezember vergangenen Jahres beendet, Fießler erhält eine Abfindung von 57 000 Euro und ihr Arbeitgeber verpflichtet sich, ihr ein positives Arbeitszeugnis auszustellen.

Damit, sagte Fießlers Anwalt Sven Feuerhahn nach der Verhandlung, „ist sie vollständig rehabilitiert“. Er und seine Mandantin hätten dem Vergleich zugestimmt, weil mehr als das darin Vereinbarte in weiteren Prozessen nicht herauszuholen gewesen wäre.

Auch in einem zweiten juristischen Streit, um den es am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht gehen sollte, einigten sich beide Parteien gütlich. Da war es um eine Pressemitteilung gegangen, die Hephata nach dem ersten Verfahren vor dem Arbeitsgericht im Juli vergangenen Jahres veröffentlicht hatte.

In dem damaligen Verfahren hatte Fießler Recht bekommen, das Kasseler Gericht hatte die Kündigung für ungültig erklärt. Hephata hatte danach in einer Pressemitteilung behauptet, die gekündigte Mitarbeiterin habe mit dem Träger eine schriftliche Vereinbarung abgeschlossen, in der sie sich verpflichtet habe, nach ihrem Ausscheiden keinen Kontakt mehr zu Klienten zu pflegen. Gegen diese Behauptung hatte Fießler auf Unterlassung geklagt. Hephata ruderte nun zurück und bedauerte diese „Ungenauigkeit“ in der damaligen Pressemitteilung, sie sei bereits im vergangenen Jahr korrigiert worden.

„Hephata hat die Sache vollends verloren“, freute sich Fießlers Anwalt. Mit dem Vergleich ist auch ein vor dem Landesarbeitsgericht anhängiges Verfahren erledigt, das durch die Berufung des Arbeitgebers gegen das Urteil der ersten Instanz in Gang gekommen war.

Für Fießler steht nun an, sich beruflich neu zu orientieren. Sie hatte 19 Jahre lang in der Sozialpsychiatrie gearbeitet, 13 Jahre hatte sie die Einrichtung, in der chronisch psychisch kranke Menschen stationär betreut werden, geleitet. „Das war mein Lebenswerk.“

Doch sie war am Donnerstag sichtlich erleichtert, als mit dem Vergleich außer ihrem Arbeitsverhältnis auch die Konflikte - zumindest formal - beendet wurden.

Auch Hephata sei „froh und erleichtert“, hieß es in einer Erklärung von Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt. Doch „menschlich und politisch ist die Sache noch nicht beendet“, sagte Fießlers Ehemann Herbert Richter am Donnerstag im Gerichtssaal. Diejenigen, die für „Untaten“ gegen seine Frau verantwortlich seien, müssten sich noch verantworten.

Der Unterstützerkreis, der Fießler bisher den Rücken gestärkt hatte, wolle weiter „Druck auf Kirche und Diakonie ausüben“. (pas)

Quelle: HNA

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