Wie Rettungskräfte mit Belastungen umgehen

Nach tödlichem Unfall in Niedervorschütz: „Darüber sprechen ist das Wichtigste“

Schwalm-Eder. Eine junge Frau starb am Donnerstag nach einem schweren Unfall zwischen Niedervorschütz und Felsberg. Wir sprachen mit Kreisbrandinspektor Werner Bähr darüber, wie Rettungskräfte mit solchen belastenden Situationen umgehen.

Herr Bähr, immer wieder sind Rettungskräfte bei Einsätzen mit schlimmen Bildern konfrontiert. Wie geht man damit um? Spricht man in der Gruppe darüber? 

Werner Bähr: Es ist das Wichtigste was es gibt, sich nach solchen Einsätzen noch mal zusammenzusetzen und über das Erlebte zu sprechen.

Da sind auch die Führungskräfte gefordert. Nicht jeder Mensch kann gleich viel aushalten, darauf müssen die Führungskräfte im Vorfeld schon achten, wenn sie die Trupps für den Einsatz zusammenstellen.

Hilft Routine? 

Bähr: Das macht eine ganze Menge aus. Ich will nicht sagen, dass man sich daran gewöhnen kann. Aber Routine hilft schon, damit umzugehen. Jeder Einsatz ist eine Belastung, den Umgang damit muss man lernen.

Haben Sie erlebt, dass Menschen sich in der Feuerwehr engagieren würden, aber es nicht tun, weil sie nicht mit solchen Situationen umgehen können? 

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Bähr: Ja, das habe ich schon öfter erlebt. Es gibt Menschen, die sagen, ich wäre gern dabei, aber solche Situaionen kann ich nicht aushalten. Jeder ist anders.

Ich zum Beispiel freue mich, dass ich eine Ausbildung habe, um in extremen Situationen anderen helfen zu können. Man muss aber akzeptieren können, dass jede noch so schnelle Hilfe auch zu spät kommen kann. Kann das jemand nicht, müssen Führungskräfte das erkennen und Hilfe anbieten.

Welche Hilfsangebote gibt es?

Bähr: Bei richtig belastenden Situationen - wie es die am Donnerstagmorgen vielleicht war - kann man das Angebot machen, dass man sich am Abend nach dem Einsatz noch einmal mit einem Notfallseelsorger zusammensetzt. Viele machen das auch. Die Zusammenarbeit von Rettungskräften und Notfallseelsorge ist sehr gut.

Und wenn einen Menschen die Bilder nicht los lassen?

Bähr: Wenn jemand von den Ereignissen verfolgt wird, gibt es auch ein SBE-Team Nordhessen. SBE steht für Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen. Dieses Team ist psychologisch besonders geschult, um Betroffenen längerfristig Hilfe anzubieten.

Kommt es vor, dass die Notfallseelsorger schon an den Unfallort gerufen werden, wenn zu erwarten ist, dass die Einsatzkräfte schlimme Bilder erwarten?

Bähr: Diese Möglichkeit gibt es und wird auch im Bedarfsfall gern angnommen. Das entscheidet der Einsatzleiter, nachdem die Lage erkundet wurde.

Von Barbara Kamisli

Quelle: HNA

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