Hohler Graben in Fritzlar

Nach Unfall ist Sorge noch größer: Anwohner fordern Tempo 30

Mobile Tempomessung gefordert: Anwohner sorgens ich um Sicherheit. Foto: Archiv

Fritzlar. „Jetzt muss endlich etwas geschehen", sagt Dr. Christoph Pohl. Er ist nicht nur verärgert, er ist vielmehr besorgt.

Bei einem Unfall in der Straße am Hohlen Graben in Fritzlar wurde vor wenigen Tagen ein Mädchen von einem Auto erfasst und leicht verletzt. Das Kind sprang nach Zeugenangaben plötzlich auf die Straße, teilte die Polizei mit.

„Zum Glück ist nicht mehr passiert, aber was wäre wenn...“, sagt Pohl. Seit zwei Jahren kämpft er im Namen von 66 Anwohner unter anderem für eine partielle Geschwindigkeitsreduzierung.

Bürgermeister Hartmut Spogat sagte dazu in einer Stadtverordnetensitzung Anfang März, er müsse sich an Recht und Gesetz halten. Zur Unterstützung habe er sich an die Verkehrskommission gewandt. Die Fachleute hätten sich mehrfach mit dem Thema beschäftigt und sich gegen die Geschwindigkeitsreduzierung ausgesprochen. „Verkehrszeichen dürfen nur dort angeordnet werden, wo dies aufgrund besonderer Umstände zwingend geboten ist. Beschränkungen des fließenden Verkehrs dürfen nur angeordnet werden, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht“, zitierte Spogat damals aus der Straßenverkehrsordnung. Und er betonte, dass der Hohle Graben kein Unfallschwerpunkt sei.

Diese Entscheidung des Bürgermeisters als Leiter der Ordnungsbehörde sei besonders bitter, weil der Unfall nun belege, dass der Hohle Graben sehr Wohl eine Gefahrenquelle sei, sagt Pohl. Für ihn ist klar, dass Spogat gegen die Geschwindigkeitsreduzierung sei: „Er hätte auch eine andere Entscheidung im Sinne der Anwohner treffen können. Spogat ist zuständig“, sagt Pohl. Und das es einen Ermessensspielraum gebe, belege die Geschwindigkeitsreduzierung in der Straße Auf der Lache nahe dem Kino. „Dort gibt es keine Schule und dort ist auch kein Unfallschwerpunkt“, so Pohl.

Seit sechs Wochen warten die Anlieger des Hohlen Grabens nun darauf, dass eine mobile Tempoanzeige angebracht wird. Denn in der Stadtverordnetensitzung Anfang März habe es geheißen, dass man darüber in den Ausschüssen berate. „Dagegen kann man doch nichts haben“, sagt Pohl. So könne festgestellt werden, wie viele Autos mit welcher Geschwindigkeit tatsächlich durch den Hohlen Graben fahren.

Ärgerlich sei, dass nach wie vor zahlreiche Busse durch die Straße fahren. Dabei habe Spogat gesagt, dass er beim Nordhessischen Verkehrsverbund darauf eingewirkt habe, dass es keinen Begegnungsverkehr mehr geben solle. „Entweder er hat gelogen oder er wird selbst von seinen Gesprächspartner an der Nase herumgeführt“, sagt Pohl.

Und wieder mit den Gedanken bei dem Unfall sagt Pohl, dass er sich einen Vorwurf gemacht hätte, wenn etwas Schlimmeres geschehen wäre. „Weil wir uns hinhalten lassen.“

Das sagt Bürgermeister Hartmut Spogat

Der Unfall sei ein sehr bedauerlicher Einzelfall. Es könne nicht nur im Hohlen Graben, sondern immer und überall passieren, dass ein Kind plötzlich auf die Straße springt, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat. Dieser Unfall spreche nicht für eine vermehrte Gefahr, daher habe sich auch an seiner Einschätzung der Situation nichs geändert.

Ob mobile Tempoanzeigen angebracht werden, darüber berate der Haupt- und Finanzausschuss in diesem Monat und gibt dann eine Empfehlung an die Stadtverordneten. Die behindetengerechte Durchlaufsperre sei bereits bestellt worden, sagt Spogat. Die Lieferzeit betrage sechs Wochen und er rechne bald damit. Ebenfalls bestellt worden seien Schilder mit der Aufforderung, freiwillig Tempo 30 in der Straße zu fahren, erklärt Spogat.

Hintergrund: Anlieger beteiligen

Nach einem SPD-Antrag haben sich die Fraktionen in Fritzlar dafür ausgesprochen, Bürger allgemein in Sachen Verbesserung der Verkehrsführung stärker zu beteiligen. Die SPD schlug vor, dass man zwei Geräte zur mobilen Tempoanzeige kaufen sollte, um damit die Verkehrsteilnehmer dazu zu bringen, langsamer zu fahren. Außerdem solle eine behindertengerechte Durchlaufsperre am Ende des Fußweges, der den Oberen Schulweg und den Hohlen Graben verbindet, installiert werden. Und: Man solle darauf einwirken, dass es keinen Begegnungsverkehr der Schulbusse im Hohlen Graben gibt.

Quelle: HNA

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