Interview mit Polizeisprecher Torsten Werner

Nach Verfolgungsjagd in Wolfhagen: Polizei macht Tempo-Training auf Caldener Flughafen

Wolfhagen/Kassel. Ein 33-Jähriger hat sich am Samstag in Wolfhagen eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert.

Die Beamten beendeten die gefährliche Fahrt, indem sie das Auto mit dem alkoholisierten Mann am Steuer mit dem Streifenwagen von der Straße drängten (die HNA berichtete). Über den Fall und ähnlich spektakuläre Einsätze sprachen wir mit Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

Herr Werner, die Verfolgungsjagd durch das nächtliche Wolfhagen war sehr spektakulär. Wie häufig kommt es zu derartigen Situationen?

Torsten Werner: Die nordhessische Polizei führt keine Statistik darüber, wie häufig Verfolgungsfahrten vorkommen. Es gehört allerdings nicht zum alltäglichen Dienst, dass Autofahrer flüchten. Immer mal wieder jedoch müssen Beamte entscheiden, ob sie einen Flüchtenden verfolgen oder nicht. Sie werden dabei von der Leitstelle des Polizeipräsidiums Nordhessen unterstützt. Dort werden die weiteren Fahndungsmaßnahmen übernommen.

Verfolgungsfahrten haben mit normalem Autofahren wenig zu tun. Wie werden Polizeibeamte darauf vorbereitet?

Werner:Alle Studierenden absolvieren ein Fahr- und Sicherheitstraining. Dies umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung, die in allen großen hessischen Städten angeboten wird. Für Kassel ist das Gelände des ehemaligen Flughafens in Calden regelmäßig Ausbildungsstandort.

Werden Verfolgungsfahrten lediglich in der Ausbildung trainiert oder auch später noch?

Werner: Neben der Unterweisung während des Studiums gibt es für alle Polizeibeamte ein ständiges Fortbildungsangebot. Fahr- und Sicherheitstrainings können von den Beamten selbst gebucht werden. Daneben werden alle Beamten im Hinblick auf Verfolgungsfahrten und den damit einhergehenden Gefahren regelmäßig sensibilisiert. Letztendlich wägt nämlich die Streifenbesatzung die mit der Verfolgungsfahrt einhergehenden Gefahren ab und muss auch die Verhältnismäßigkeit im Blick haben. Dabei kann die Entscheidung auch lauten, von einer Verfolgung Abstand zu nehmen, wenn die Gefahr für Leib oder Leben für sich selbst oder andere unkalkulierbar wird.

Bei der Autobahnpolizei gehört Schnellfahren naturgemäß zum Alltag. Gibt es für die Beamten dort eine Spezialausbildung?

Werner:Für Autobahnpolizisten gibt es zusätzliche Fahrtrainings. Solche Aufbauseminare werden allen Beamten, die häufiger hohen Geschwindigkeiten ausgesetzt sind, angeboten. Darunter fallen auch Spezialkräfte, die deutlich häufiger und intensiver trainieren, als andere Beamte. Fahrer der Zivilfunkstreifen mit Kameratechnik, die beim Nachfahren die Geschwindigkeiten des Vorausfahrenden messen, müssen sogar ein Hochgeschwindigkeitstraining auf dem Nürburgring absolvieren, um hinterm Steuer eines solchen Dienstwagens sitzen zu dürfen.

Schlussendlich bringt jedoch der tägliche Einsatz auf den Autobahnen den entscheidenden Vorteil. Diese Erfahrung gilt im Übrigen für alle Polizisten, die regelmäßig im Streifenwagen unterwegs sind.

Nicht jeder Flüchtende wird von der Polizei verfolgt, oft greifen andere Fahndungsmaßnahmen. Welche Kriterien legen Sie bei der Entscheidung an?

Werner: Die Entscheidung basiert auf strategischen und taktischen Überlegungen, die einzelfallabhängig sind. Die Leitstelle des Polizeipräsidiums Nordhessen greift dabei auf vorbereitete Fahndungskonzepte zurück. Grundsätzlich gilt die Wahl des mildesten Mittels unter Berücksichtigung der Gefahrenreduzierung und Verhältnismäßigkeit. Da kann der Hubschraubereinsatz mal zielführender sein, als der direkt verfolgende Streifenwagen.

Manchmal kommt es auch auf die PS-Zahl an, damit die Polizei zum Erfolg kommen kann. Was geben die Streifenwagen da eigentlich her?

Werner:Die Funkstreifenwagen haben zum Teil unterschiedliche Leistungen. In der Regel sind die Fahrzeuge der Polizei gut motorisiert, aber nicht hochmotorisiert. Ausnahmen bilden dabei die Dienstwagen der Spezialeinheiten. Entscheidend sind grundsätzlich auch nicht die PS, sondern die Fahndungskonzepte. Der Vorteil, alle Funkstreifen über Funk zu erreichen und zu lenken, damit beispielsweise Straßensperren eingerichtet werden können, überwiegt einem möglicherweise stärkeren Motor im Fluchtwagen.

Quelle: HNA

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