Reportage: Wolfhagen nach dem Tod von Peter Stephan G.

Wolfhagen. Im Treppenhaus ist es ruhig. Die Haustüre steht offen. Vereinzelt sind Stimmen hinter den Türen zu hören. Vor der Wohnung von Peter Stephan G. liegt ein Stapel Zeitungen. Am Lichtschalter neben der Tür sind von der Spurensicherung schwarz gefärbte Fingerabdrücke.

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Eine Siegelmarke klebt über dem Türgriff. Der 23-jährige Leo Jahaj steht vor der Wohnungstür des 63-jährigen Mannes, der am Ostermontag mit Stichverletzungen tot aufgefunden wurde. Er schüttelt den Kopf. „Peter war ein lieber Mensch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Feinde hatte.“ Leos Eltern und Geschwister wohnten seit zehn Jahren mit ihm Tür an Tür. Leo Jahaj selbst ein Stockwerk höher. „Wir haben ihn länger nicht gesehen und dachten, er ist vielleicht verreist“, sagt der 23-Jährige. Plötzlich roch es komisch im Hausflur. „Da hatte ich das Gefühl, da stimmt etwas nicht.“

Seine Eltern riefen am Ostermontag die Polizei an. Sein Gefühl hatte Jahaj nicht getäuscht: Die Beamten fanden Peter Stephan G. tot in der Wohnung. „Mein Vater hat ihn identifiziert“, so der 23-Jährige.

„Er war sehr einsam“

„Wir haben ihn nicht so gut gekannt. Aber wir haben uns ein bisschen um ihn gekümmert.“ Der 23-Jährige sei ab und zu mit Peter Stephan G. einkaufen gefahren, weil er kein Auto mehr hatte. Leo Jahaj zuckt mit den Schultern. „Ich glaube, er war sehr einsam. Er hat nicht gearbeitet, hatte keinen Kontakt mehr zu seiner Familie.“ Bevor er nach Wolfhagen gezogen sei, habe der Diplom-Ingenieur mit seiner Familie – seiner Ex-Frau und der Tochter – in Ostdeutschland gelebt. Anfangs hatte er hier in Wolfhagen eine Freundin und einen Hund. „Seit der Trennung hat er immer wieder Alkohol getrunken. Deshalb war das Opfer öfters in Behandlung“, sagt Jahaj.

Mann lag über Wochen tot in der Wohnung

Auf Spurensuche: Die Spezialisten der Spurensicherung vom Erkennungsdienst sind im Einsatz, um zu klären, wie der 63-jährige Peter Stephan G. in seiner Wohnung in Wolfhagen zu Tode gekommen ist. Fotos:   Skrzyszowski

Seine Mutter Lumnie Jahaj erinnert sich: „Ich habe oft gefragt: Peter, wo bist du?“ Ihr Nachbar habe dann gelächelt und geantwortet. „Bei meiner Freundin.“ Ob der 63-Jährige wieder jemanden an seiner Seite hatte, weiß die Familie nicht. Doch Peter Stephan G. habe sich verändert. „Früher hat er immer laut Musik gehört. Er hat oft gelacht und im Sommer immer auf seinem Balkon gesessen“, erzählt Leo Jahaj. „Wir haben kaum noch etwas mitbekommen. Das ist das, was uns wundert.“

Dass es um ihn ruhiger wurde, hat auch Nachbarin Irina Klinzew bemerkt. Sie weiß nicht, wann sie den 63-Jährigen zuletzt gesehen hat. Ab und an sei sie ihm in der Waschküche begegnet. Sein Tod hat sie geschockt. So etwas habe es in diesem Haus noch nie gegeben.

Peter Stephan G. habe ihr gegenüber nicht viel von sich erzählt. „Er sah immer gut aus, war sehr gepflegt“, sagt sie. „Er hatte aber abgenommen und war irgendwie blass.“ Irina Klinzew ist ratlos – genau wie Leo Jahaj. „Es ist einfach nur traurig. Ich glaube, Peter war mal ganz oben. Hat dann alles verloren und ist dann tief gefallen“, sagt der 23-Jährige während er auf die versiegelte Tür des Nachbarn blickt.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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