Auf den Wiesen und Weiden rings um Kehrenbach graben die Schwarzkittel schon jetzt Wiesen um

Nachts wühlen die Wildschweine

Kein Vergnügen: Auch wenn Carmen Wimmel lächelt, lustig findet sie die Schäden auf den Weiden nicht. Foto:  Müller-Neumann

Kehrenbach. Der Kehrenbacher Bolzplatz gleich hinter dem großen Sportplatz sieht aus, als hätte ein Möchtegern-Bauer dort das Pflügen geübt. Tatsächlich haben Wildschweine die Fläche am Dorfrand umgegraben.

So wie dort sieht es auf vielen Wiesen und Weiden aus. Zwar sind die Flächen, in die die Schwarzkittel ihren Rüsselnasen gesteckt haben kleiner, doch wegen der Hanglage ist es zeitintensiver und teurer, sie wieder herzurichten.

Dass die Wildschweine auf der Suche insbesondere nach tierischer Nahrung die Böden umwühlen, ist normal. Auch dass sie dazu den Wald verlassen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie ihre nächtliche Streifzüge aber schon Mitte September begonnen haben, schon.

Carmen und Peter Wimmel, die am Ortsrand von Kehrenbach wohnen, können sich nicht erinnern, das schon einmal erlebt zu haben. Beide sind tierlieb, halten Hunde und Pferde und haben im Prinzip nichts gegen Wildschweine. Aber: „Es sind einfach zu viele Tiere“, sagt Peter Wimmel.

Immer wieder muss der Kehrenbacher Ortslandwirt, der nur das Amt bekleidet, aber kein Bauer ist, einen Landwirt aus Kirchhof um Hilfe bitten und Geräte vom Maschinenring Schwalm-Eder ausleihen. Das kostet Geld im vierstelligen Bereich. Der finanzielle Ausgleich vom Jagdpächter beträgt 9 Cent pro Quadratmeter.

Die durchwühlte Grasnarbe muss neu eingesät werden, doch im Vergleich zu den unbeschädigten Flächen bringt die frisch eingesäte nur die Hälfte des Gras- und Heuertrags. Carmen Wimmel: „Das heißt, wir müssen Heu zukaufen. Das wird nur zum Teil erstattet.“

Nach dem vorigen Winter haben Wimmels die Weiden wieder herstellen lassen, denn eine Mahd auf den Grabeflächen ist nicht möglich. Obendrein siedeln sich dort schnell Brennnesseln, Disteln und Ampfer an.

Inzwischen versuchen sie es mit allen möglichen Tricks: Vor kurzem haben sie mit Hukinol, einem Menschenweißkonzentrat, getränkte Lappen aufgehängt. Das half drei Tage.

Vergangene Woche haben es Wimmels mit einem Radio versucht. Das hielt die Borstentiere von der eigenen Weide fern - dafür gruben sie Nachbars Wiese um. Carmen Wimmel: „Die Schweine sind sehr schlau und haben keine Angst.“ Nur wenn mehrere ihrer Pferde auf einer Koppel stehen, bleiben die Schwarzkittel von diesem Grundstück fern.

Besonders scheu sind sie ohnehnin nicht. Als der Kirchhöfer Landwirt Johannes Otto Anfang Oktober Weizen säte, folgten ihm zwölf Wildschweine, die Appetit auf die Körner hatten. Erst als er schrie und in die Hände klatschte, nahmen sie Reißaus.

Als dessen Vater Richard vor kurzem zwischen Melsungen und Kirchhof Mais häckselte, schreckte er 22 Wildschweine aus dem Feld auf.

Quelle: HNA

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