Schornsteinfeger finden nicht genug geeignete Bewerber für Ausbildung

Der Nachwuchs fehlt

Wolfhager Land. Der Beruf des Schornsteinfegers scheint bei jungen Leuten, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, nicht besonders hoch im Kurs zu stehen.

„Es herrscht Nachwuchsmangel in der Branche“, bestätigt Friederich Wesche auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Schornsteinfegermeister aus Bründersen ist Lehrlingswart bei der Schornsteinfegerinnung Kassel. „In diesem Jahr gibt es in der gesamten Innung nur 16 Auszubildende. Und das bei rund 170 Betrieben.“ Weniger als zehn Prozent aller Schornsteinfegerbetriebe würden also ausbilden.

Er selbst habe im Herbst einen Auszubildenden eingestellt und auch für das kommende Jahr schon eine Bewerbung erhalten. „Aber wir sind ein kleiner Betrieb, deshalb nehme ich immer nur einen Azubi auf einmal. So kann ich ihn vom Anfang bis zum Ende seiner Lehrzeit richtig betreuen“, sagt der Lehrlingswart.

Grund für die geringe Zahl von Auszubildenden sei aber kein Mangel an Bewerbern, sondern ein Mangel an Kandidaten, die für die Ausbildung geeignet seien, so Wesche weiter. „Wir prüfen, welche Voraussetzungen die Bewerber von der Schule her mitbringen. Das ist zum einen das Deutsch, zum anderen die Grundrechenarten“, erklärt er.

„Dieses Problem besteht nicht nur bei den Schornsteinfegern, sondern in allen Handwerksberufen“, sagt Schornsteinfegermeister Thomas Swoboda. „Die qualifizierten Leute, die einen guten Schulabschluss haben, haben offenbar keine Lust mehr auf eine handwerkliche Ausbildung. Die wollen lieber studieren“, fügt er hinzu.

Er selbst habe momentan keinen Auszubildenden in seinem Betrieb. Seine Auszubildende sei in diesem Sommer fertig geworden. Im nächsten Jahr wolle er wieder einen Azubi einstellen. „Vorausgesetzt, ich finde einen geeigneten Bewerber. Es bringt ja nichts, jemanden für drei Jahre von der Straße zu holen, wenn der eigentlich für den Beruf gar nicht geeignet ist“, so Swoboda. Wer bereits in der Schule große Probleme habe, habe sie auch in der Ausbildung.

Der Beruf sei in den vergangenen Jahren viel anspruchsvoller geworden. „Es geht nicht mehr nur ums Kamine kehren, auch Energieberatungen und komplexe Messungen gehören heute mit dazu“, sagt er.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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