Abschied nach 128 Jahren

Der Nachwuchs fehlt: Isthaer Chor gibt auf

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Blütezeit: Im Jahr 1969 wurde aus dem reinen Männerchor der Gemischte Chor Istha. Mit dem Einstieg der Frauen brachte es der Chor auf rund 40 Aktive.

Istha. Chöre-Sterben im Wolfhager Land: Nachdem Ensembles in Balhorn, Elbenberg, Ippinghausen und Altenstädt aufgaben, verabschiedet sich im November auch der Gemischte Chor Istha.

Mit gerade mal noch zwölf aktiven Sängern, sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Albert, sei man an einem Punkt angekommen, an dem man „die Notbremse ziehen müsse“. Wenn bei den Proben noch zwei oder drei Sänger fehlen, sei man so dünn besetzt, dass man nicht mehr richtig üben könne.

„Einige klagen auch, dass es mit der Stimme nicht mehr geht“, sagt Albert, dass man einfach zu alt sei. Der Vorsitzende ist mit seinen 59 Jahren noch der Jüngste der Aktiven, der Älteste sei 85. Junge Leute kommen schon seit Jahren nicht mehr nach, klagt Albert, „die wollen sich vereinsmäßig nicht mehr binden“. Aber ohne Nachwuchs habe ein Chor keine Zukunft.

Damit geht eine 128 Jahre währende Geschichte des Chorgesangs in Istha zu Ende. Im Januar 1889 gründeten 30 Männer den Gesangverein, „um den Kirchen- und Volksgesang zu pflegen“. Nachdem während des Ersten Weltkriegs der Chorgesang mehr oder weniger ruhte, blühte der Verein nach Kriegsende wieder auf, 1920 hatte er bereits wieder mehr als 50 Mitglieder.

Aus besseren Tagen: der Chor mit seinem letzten Chorleiter, Manfred Homburg, während eines Liederabends im Dorfgemeinschaftshaus im Jahr 2011.

Den nächsten Dämpfer für das Chorleben brachte der Zweite Weltkrieg. Doch auch davon erholte sich der Isthaer Gesangverein. Einen richtigen Schub bekam der Chor, als man 1969 den Chor für Frauen öffnete. In seinen folgenden Blütejahren hatte der Gemischte Chor rund 40 Aktive.

Bei den Feiern zum 125. Geburtstag des Gesangvereins vor drei Jahren zeichnete sich der Niedergang bereits ab: Durch Krankheit, Wegzug und Tod einzelner Mitglieder war die Zahl der Sängerinnen und Sänger bereits auf 16 gesunken und der Rückgang setzte sich fort. „Es ist inzwischen leider nicht mehr möglich, einen singfähigen Chor zu bilden“, bringt es Wolfgang Albert auf den Punkt.

Sang- und klanglos wolle man aber nicht von der Bühne verschwinden. Einmal wolle man noch alle Kräfte mobilisieren und sich mit einem letzten öffentlichen Konzert verabschieden. Das wird am Sonntag, 5. November, ab 14 Uhr im Isthaer Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. „Diese Veranstaltung soll keine Trauerfeier werden, sondern wir wollen in würdiger Form die Ära des aktiven Chorgesangs in Istha beenden“, so Wolfgang Albert.

Den musikalischen Part werden die Sänger mit Unterstützung des Isthaer Posaunenchores übernehmen. In gemütlicher Runde – bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken – will man mit Filmen, Fotos und Tonaufnahmen Rückschau halten. Der erwirtschaftete Überschuss aus dieser Veranstaltung soll dem Kindergarten Istha zugutekommen.

Der Verein selbst, dem noch 33 passive Mitglieder angehören, soll zunächst bestehen bleiben. „Mal sehen, wie es weitergeht“, sagt Vorsitzender Albert, „vielleicht gibt es ja mal bei einem runden Geburtstag einen Projektchor für eine Veranstaltung“. So ganz wolle er die Hoffnung auf eine neue Chance für den Gesang in Istha dann doch noch nicht begraben.

Quelle: HNA

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