Nachwuchsimkerin erntet das flüssige Gold der Bienen

+
Aus den Zellen geschleudert: Leontine Schwarz erntet zum ersten Mal ihren eigenen Honig. Sechs Waben passen in die Honigschleuder, die im Arbeits- und Ausbildungsraum des Imkervereins 1865 Wolfhagen bereitsteht.

Wolfhagen. Auf diesen Tag hat Leontine Schwarz mit Spannung gewartet. Heute ist sie mit ihrem Mentor, dem Wolfhager Hobby-Imker Richard Trutti, im Arbeits- und Ausbildungsraum des Imkervereins Wolfhagen verabredet - zum Honigschleudern.

„Das ist schon aufregend“, erklärt die Nachwuchsimkerin. Über 40 Bienenwaben hat sie mit dabei, in Kisten aufgereiht. „Ich habe heute Morgen um fünf Uhr angefangen, die Waben aus den Beuten zu nehmen“, erklärt Leontine Schwarz. Einen Teil hat sie ihren Bienenvölkern aber auch gelassen, damit diese weiterhin genug Nahrung haben.

Noch lagert der Honig gut verschlossen in den Zellen aus Bienenwachs. Bis zu zwei Kilogramm Honig können laut Trutti in den Zellen einer aus gerade mal 40 Gramm Wachs bestehenden Wabe untergebracht sein. Um ihn herausschleudern zu können, steht zunächst das Abdeckeln auf dem Programm. „Das ist immer meine Aufgabe“, sagt Anna Trutti, die ihren Mann Richard Trutti beim Schleudern des Honigs unterstützt. Mit routinierten Bewegungen fährt sie mit der Abdeckelungsgabel über die Wabe und entfernt das Wachs, welches die Zellen verschließt. Dabei erklärt sie Leontine Schwarz die notwendigen Handgriffe. Das Wachs, das die beiden Frauen von den Zellen entfernen, landet in einer großen Wanne. „Es wird geschmolzen und dann werden neue Mittelwände daraus gegossen. Auf denen bauen die Bienen die Zellen aus“, erklärt Richard Trutti.

Nach dem Abdeckeln kommen die Waben in die Honigschleuder. Zwei davon, eine Selbstwendeschleuder für sechs Waben und eine Schleuder für vier Waben, stehen bereit. Unter der Anleitung von Richard Trutti steckt Leontine Schwarz sechs Waben in die Schleuder und setzt das Gerät in Gang. Zuerst nur langsam, dann schneller drehen sich die Waben erst rechts- und dann linksherum im Kreis, und der Honig wird aus den Zellen geschleudert.

Dann ist es endlich soweit: Goldgelb quillt der Honig aus dem Hahn, der unten an der Schleuder angebracht ist. Wie flüssiges Gold sieht er aus, während er sich in einem großen Sieb sammelt und von dort weiter durch ein etwas feineres Sieb in einen Eimer fließt. „Das ist wunderbar. Ein richtiges Hochgefühl“, sagt Leontine Schwarz und schaut begeistert auf ihren ersten eigenen Honig. Noch ein drittes Mal wird der Honig gefiltert, dann füllt die 55-Jährige eine kleine Menge in ein Glas ab - und kostet. „Der schmeckt zuckersüß, aromatisch, einfach lecker“, sagt sie und schließt genießerisch die Augen, während sie noch ein bisschen nascht.

Zuhause wartet in den kommenden Tagen noch Arbeit auf die Nachwuchsimkerin aus Weningenhasungen. Etwa acht Tage lang muss der Honig dreimal täglich gerührt werden, damit er schön glatt und geschmeidig wird. Lagern sollte man Honig kühl, trocken und dunkel. „Dann hält er sich ewig“, erklärt Trutti. Und sollte doch mal ein Eimer zu gären anfangen, „dann machen wir halt Met draus“, sagt er und lacht dabei.

Von Meike Schilling

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare