Mann stand unter Drogeneinfluss

Nackter Mann raubte Frau in Melsungen aus und stahl Auto

Melsungen/Fritzlar. Das Amtsgericht Fritzlar hat die Einweisung eines 34-Jährigen in eine Entziehungsanstalt angeordnet.

Gleichzeitig sprach ihn das Gericht vom Vorwurf des Raubes und der Körperverletzung frei, weil er während der Tat wegen Drogeneinflusses nicht schuldfähig gewesen sei. Der Beschuldigte hatte nackt eine 74-jährige Frau beraubt und verletzt.

Der arbeitslose Maler muss die Kosten des Verfahrens tragen und 3000 Euro an die Frau zahlen, die er im Dezember in Melsungen überfallen hatte. Da Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenkläger auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig. Wie die Beweisaufnahme ergab, ist der Mann seit dem 17. Lebensjahr drogenabhängig und wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Betrugs und Diebstahls vorbelastet. Aus der Untersuchungshaft kam er jetzt direkt in eine Klinik.

„Es tut mir leid“, sagte der voll geständige Mann und entschuldigte sich bei der Frau. Die hatte nach einer Weihnachtsfeier eine Bekannte mit ihrem Auto nach Hause gebracht. Plötzlich sprang in Melsungen der nackte und verschmutzte Mann auf den Rücksitz und forderte sie auf, ihn aus Melsungen herauszubringen. Die Frau bot an, ihn ins Krankenhaus zu fahren. Vor der Klinik, so schilderte sie, habe er sie umgestoßen, ihr den Schlüssel entrissen und sei mit dem Auto geflüchtet. Das stellte er am nächsten Tag bei seiner Mutter ab. Die alarmierte die Polizei.

Die 74-Jährige erklärte, sie sei am Knie verletzt worden, leide unter Schulter- und Nackenschmerzen, sei mit einem Herzinfarkt nach Rotenburg gekommen. Sie sei auch psychologisch betreut worden.

Der Angeklagte gab zu, immer wieder Drogen genommen zu haben. Am Abend der Tat habe er unter Verfolgungswahn gelitten. Er habe nach zwei schlaflosen Nächten einen Filmriss gehabt, die Klamotten weggeworfen und sei in das Auto gesprungen. Dann sei er bis nach Hünfeld ziellos durch die Gegend gefahren.

„Er wollte sein Leben retten mit nicht legalen Mitteln“, erklärte der Sachverständige, ein Psychiater. Der Angeklagte sei von Suchtmitteln abhängig, habe eine seelische Störung, leide unter Verfolgungswahn. Wenn er sich jetzt nicht behandeln lasse, werde er wieder straffällig.

Die Staatsanwältin sprach sich für die Aufhebung des Haftbefehls und die Einweisung in eine Entziehungsanstalt aus. Wegen der seelischen Störungen sei sein Mandant freizusprechen, die Einweisung in eine Entziehungsanstalt sei sinnvoll, erklärte Verteidiger Gerhard Rohm. „Sie kriegen heute lebenslänglich, weil Sie die Suchtproblematik lebenslang verfolgen wird“, sagte Dr. Gert Meyer, Anwalt der Nebenklägerin, zum Angeklagten. Das Leid, das er der Frau zugefügt habe, sei ein Schaden, der nicht wiedergutzumachen sei.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion