Hausschlachtung in Breuna nach alter Tradition und ohne moderne Technik

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Vorbereitung für das Rasieren der Borsten: (von links) Johannes Cöster, Wolfgang Büttner, Otto Rappe, Andy Büttner und Felix Cöster.

Breuna. Es war kühl an diesem Samstagmorgen in Breuna, gerade einmal acht Grad. Lediglich der mit Holzscheiten angeheizte alte Universaldämpfer im Garten hinter der Tankstelle von Peter Cöster strahlte etwas Wärme ab. In dem Kessel des Dämpfers wurde Wasser erhitzt.

„Ist das Wasser heiß genug?“, das war die erste Frage von Wolfgang Büttner, der als gelernter Schlachter in Breuna eine Dorfmetzgerei mit eigener Schlachtung betreibt. In seinen Händen lag die Oberaufsicht einer alten Tradition, die früher vor allem in den Wintermonaten in den Dörfern und auf den Bauernhöfen zum Alltag gehörte: eine Hausschlachtung.

Für Wolfgangs Sohn Andy, der beruflich in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, war es als Chefschlachter eine Premiere: „Wichtig ist, dass das Tier stressfrei zur Schlachtbank geführt wird. Denn dann erleidet die Fleischqualität keinen Schaden.“

„Wenn das Schwein am Haken hängt, wird erst mal einer eingeschenkt. Ist die Sau aber noch am Leben, kann man trotzdem einen heben.“ Trinkspruch beim Schlachten

Nicht nur, dass die Männerrunde, die sich, angelehnt an Cösters Tankstelle als regelmäßigen Treffpunkt „Säule elf“ nennt, vor gut drei Jahren den alten Brauch der Hausschlachtung wieder aufleben ließen. Sie verzichten bei ihrem Schlachtefest auch auf moderne Technik, und haben Geräte von früher zusammengetragen: Einen Trog für heißes Wasser, in dem dem toten Tier mit der so genannten Glocke die Borsten wegrasiert wurden, Mollen und einen altertümlichen Fleischwolf. Lediglich eine neue Leiter, an dem das Schwein am Krummholz aufgehangen wird, war gezimmert worden. Denn bei der ersten Hausschlachtung vor drei Jahren brach die wurmstichige Originalleiter unter der Last des Borstenviehs zusammen.

Auch diesmal hatten die beiden „Futtermeister“ Norbert Györe und Peter Cöster sowie „Stallmeister“ Alexander Cöster hervorragende Arbeit geleistet. Denn die seit Oktober des vergangenen Jahres ausschließlich mit Weizen und Schrot gefütterte Sau, die zudem jeden Morgen einen Begrüßungsapfel bekam, brachte ausgeschlachtet das stolze Gewicht von 145 Kilogramm auf die Waage.

Bevor man jedoch Fleisch und Speck zu Gehacktem, Weckewerk und verschiedenen Wurstsorten verarbeitete, musste der Tierarzt Robert Blume aus Volkmarsen als Trichinenbeschauer erst die vorgegebene Fleischbegutachtung vornehmen. Die entnommenen Teile wurden kurzfristig in einem Labor untersucht - alles einwandfrei. Der große Schlachteschmaus konnte beginnen.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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