Neue Ausstellung in der Kunsthalle zeigt die Anfänge der deutschen Freilichtmalerei

Natur in den Fokus gerückt

Landschaft: Bernd Küster (links) und Michael Vogt vor einem Werk des Freilichtmalers Eduard Schleich. Foto: Grebe

Willingshausen. Einige Jahrhunderte mussten vergehen, bevor die Maler ihr Stübchen verließen und sich zum Zeichnen nach draußen begaben. Seit Samstagnachmittag stehen in der Kunsthalle Willingshausen die großen Meister der Freilichtmalerei, Carl Spitzweg und Eduard Schleich d. Ä., im Dialog mit dem Schwälmer Dorf.

Die Ausstellung zeigt über 70 klein- und großformatige, farbige und schwarz-weiß Gemälde und Skizzen von Schleich und Spitzweg, ergänzt um Willingshäuser Zeitgenossen wie Ludwig Emil Grimm und Ludwig Knaus.

Durch das Alpenvorland

Helmut Geißel, Vorsitzender des Malerstübchens, eröffnete die Vernissage: Ohne die Initiative von Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, und seine Kontakte zu Kunsthändlern wie Michael Vogt aus Fürstenfeldbruck hätte diese hochkarätige Ausstellung mit Exponaten der Freilichtmaler Schleich und Spitzweg nicht den Weg nach Willingshausen gefunden.

Küster hielt einen Vortrag über die Anfänge der Freilichtmalerei und die Freundschaft, die beide Maler Spitzweg und Schleich ein Leben lang verband. Mit Leinwand, Pinsel und Farbe bewaffnet, wanderten sie durchs Alpenvorland, diskutierten ihre Leinwandmotive und eroberten sich malend und zeichnend ihre Umwelt. Ohne ihren „kindlich-natürlichen Sinn und ihr warmes Herz“, so Küster, wären sicherlich nicht eine hell erleuchtete Schmiede inmitten einer dunklen Bergkluft (Schleich) oder die liebevolle Bleistiftzeichnung einer „Hügeligen Landschaft“ (Spitzweg) zum Motiv geworden.

Sowohl Küster als auch Vogt beschrieben, wie aus einem von der Münchner Akademie als „talentlos“ bezeichneten Maler, vom 17-jährigen Schleich ist die Rede, einer der bedeutendsten Freilichtkünstler wurde. Mit großer Sorgfalt verfeinerte er als Autodidakt und im Dialog mit seinem Freund Spitzweg seinen Stil.

Sein Gemälde „Abendlandschaft mit Steg“ (1865), das Vogt aus seiner Kunstsammlung mitbrachte, zeigt Schleichs unprätentiöse und ganz auf die Wahrnehmung bezogene Landschaftsauffassung. Zum Abschluss verriet Vogt noch den zahlreich erschienenen Besuchern, welche Funktion die Zigarre im Leben eines Carl Spitzweg hatte. Überliefert ist aber, dass Spitzweg vor allem am Kistenboden interessiert war, denn dieser bot ihm die optimale Leinwand – schön leicht und praktisch zu transportieren.

• Die Ausstellung „Spitzweg, Schleich und die Anfänge der Freilichtmalerei“ ist noch bis 10. November in der Willingshäuser Kunsthalle zu sehen.

Von Dorothea Grebe

Quelle: HNA

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