Naumburger Landwirt betreibt größte Pappeln-Plantage im Landkreis Kassel

Wuchs-Wunder: Die Pappeln-Stecklinge sind nur 20 Zentimeter lang und wachsen in Windeseile. Landwirt Franz Ruthenbeck hat sie im Mai 2010 in den Ackerboden gesetzt. Fotos:  Ricken

Naumburg. Auf den Feldern von Franz Ruthenbeck wachsen Energiewunder: Auf zehn Hektar baut der Naumburger Pappeln an, die als nachwachsende Rohstoffe in Heizöfen verfeuert werden.

Diese Pappeln-Plantage ist nach Aussage von Reinhard Schulte-Ebbert vom Bauernverband die größte im Landkreis Kassel. Abgesehen von Naumburg gibt es im gesamten Kreis nur knapp drei Hektar Anbauflächen mit Pappeln. In 2010 hat Rutenbeck 40.000 Stecklinge gesetzt, in diesem Jahr fährt er die erste Ernte ein. Danach kann er bis zu 30 Jahre alle drei Jahre ernten und muss dafür fast keinen Finger mehr krumm machen.

Er arbeitet mit einer Firma zusammen, die die mit einem Häcksler zerkleinerte Holzhackschnitzel als Brennstoff in der Region vermarktet. Denn auch das gehört zum Konzept, eine möglichst neutrale Co2-Bilanz. Einen Teil seiner Ernte verheizt der Landwirt selbst. Ruthenbeck hat nur gestaunt, wie die schnellwüchsige Pappeln nach der Anpflanzung in die Höhe geschossen sind. Innerhalb von drei Monaten waren die Bäumchen zwei Meter hoch.

In dieser Phase hat er auch zum ersten und letzten Mal das Unkraut mit einem Schlegel entfernt. Danach sind die Bäume so hoch, dass ihnen das nichts mehr anhaben kann. „Ich brauche keine Ackergeräte, kein Spritzmittel und keinen Dünger“, freut sich der 75-Jährige. Geschont werde so auch das Grundwasser. „Ich pflanze einmal und ernte 30 Jahre lang.“

Die Idee Holz als nachwachsenden Rohstoff anzubauen, war entstanden, weil er seine Rente nicht gefährden wollte. Mit dem Pappelnanbau ist dies kein Problem. Und dann ist der Naumburger auch jemand, der Neuem aufgeschlossen ist. Vor 40 Jahren sei er der erste Landwirt in Naumburg gewesen, der Raps angebaut habe.

Mit den Pappeln hat er sich intensiv beschäftigt. Ruthenbeck bereiste Plantagen in ganz Deutschland und bildete sich fort. Inzwischen hält er selbst Vorträge über seinen Pappelanbau - jüngst in Sachsen-Anhalt.

Für jeden Landwirt komme der Pappelanbau nicht infrage, sagt Kreisbauern-Geschäftsführer Schulte-Ebbert. Nicht jeder könne investieren und dann drei Jahre lang auf den Gewinn warten. Die sogenannten Kurzumtriebsplantagen könnten auch nicht an jedem Standort bestehen. Hinzu kämen die Kosten der Erntetechnik, da diese vor Ort nicht vorhanden sei.

Hintergrund

Auf einer Kurzumtriebsplantage mit Pappeln werden schnell wachsende Bäume oder Sträucher angepflanzt, mit dem Ziel, innerhalb kurzer Zeit Holz als nachwachsenden Rohstoff zu produzieren. Geschieht dies ausschließlich für die Energieerzeugung, wird auch von einem Energiewald gesprochen. Bei der Kurzumtriebsplantage werden Baumstecklinge in Reihen angepflanzt und alle drei Jahre maschinell geerntet. Die im Boden verbliebenen Pflanzenreste haben die Fähigkeit erneut auszutreiben, ohne dass sie neu angepflanzt werden müssen.

Unter guten Bedingungen können Kurzumtriebsplantagen rund zehn Tonnen Trockensubstanz je Jahr und Hektar produzieren, unter sehr guten Bedingungen auch das Doppelte. Nach etwa 20 Jahren lässt die Produktionskraft der Pflanzen nach. (ewa)

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare