Seit Jahren keine rechtsextremistischen Straftaten in Wolfhagen

Neonazis halten still

Peter Soltau

Wolfhager Land. Die jüngsten Erkenntnisse in der Döner-Mordserie, die offenbar von Neonazis an ausländischen Mitbürgern begangen worden ist, führen die Ermittler nach Nordhessen. In Wolfhagen und den umliegenden Orten sind in den vergangenen vier Jahren jedoch keine rechtsextremistischen Aktivitäten bekannt geworden.

„Seit den Vorfällen 2006 in Riede und Kirchberg, auf die ja auch der Prozess in Fritzlar folgte, ist Ruhe in dem Bereich“, teilt Peter Soltau, Leiter der Kreisjugendförderung, mit.

Soltau lebt selbst in Riede. In der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 2006 hatten Neonazis zwei Personen im Jugendzentrum in Kirchheim zusammengeschlagen und schwer verletzt, nachdem sie einige Stunden zuvor von einer Party in dem Jugendzentrum hinausgeworfen worden waren, zu der sie uneingeladen erschienen waren. In der Silvesternacht waren daraufhin etwa 30 Neonazis mit Fackeln durch den Bad Emstaler Ortsteil Riede marschiert und hatten das verbotene Horst-Wessel-Lied aus der Nazi-Zeit gesungen.

„Diese Vorfälle haben dazu geführt, dass die Öffentlichkeit hier in der Gegend auf das Problem jugendlicher Neonazis aufmerksam gemacht wurde. Auch die Lokalpolitik handelte damals klug“, fügt Soltau hinzu.

Im Februar 2007 verabschiedete das Bad Emstaler Gemeindeparlament eine Resolution auf Initiative der FWG-Fraktion, in der unter anderem festgehalten wurde, dass gemeindliche Einrichtungen nicht als Bühne des Rechtsradikalismus missbraucht werden dürften, wie es in der Silvesternacht mit dem Rieder Gemeinschaftshaus geschehen war, wo junge Leute, die der rechten Szene zuzuordnen waren, gefeiert hatten.

„Das Ziel, sogenannte national befreite Zonen zu schaffen, ging nach hinten los“, sagt Soltau, „aber die Tatsache, dass der Schwalm-Eder-Kreis extra eine Stelle geschaffen hat, um bürgerschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus zu fördern, spricht für sich. Man darf das Thema nicht verharmlosen.“

Im Februar 2008 waren die acht jungen Mäner im Alter von 16 bis 25 Jahren vom Amtsgericht Fritzlar verurteilt worden. Nur einer von ihnen stammte aus Riede, er wurde als Mitläufer eingestuft. Die anderen Täter kamen aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Hakenkreuz-Schmiererei

Mitte April 2011 sei an einer Wolfhager Schule eine etwa 20 mal 20 Zentimeter große Hakenkreuz-Schmiererei entdeckt worden, teilte Polizei-Pressesprecher Wolfgang Jungnitsch mit. Als Täterin habe eine inzwischen 16 Jahre alte Jugendliche aus Wolfhagen ermittelt werden können. Die Tat deute insgesamt aber eher auf einen Beziehungskonflikt hin, als auf eine rechtsradikal motivierte Straftat, so Jungnitsch.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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