Interview: Experten über Elektromobilität im Alltag

Keine Angst vorm E-Roller

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Umweltfreundliche Flitzer: Die Melsunger Radko-Stöckl-Schule stellt für den Elektromobilitäts-Tag in Felsberg zwei Elektroroller zur Verfügung. Die Schüler Andreas Claus und Tobias Neutze (vorne von links) fuhren fürs Foto schonmal Probe. Hinten von links Thorsten Träger, Ansprechpartner für Elektromobilität, mit den Schülern Erik Schröder, Marcel Hahn und Christian Lecke.

Felsberg. Elektroautos sieht man nur selten auf Deutschlands Straßen. Wie man Elektromobilität alltagstauglich machen kann, erklären Kerstin Becker und Heinrich Müller im HNA-Interview – und am Samstag, 15. Juni, in der Felsberger Jugendwerkstatt.

Dort gibt es in der Reihe „Felsberg mit neuer Energie“ einen Elektromobilitäts-Tag. Becker und Müller werden dabei das Projekt „Free“ vorstellen.

Was steckt hinter dem Free-Projekt? 

Kerstin Becker: Ziel des Free-Projekts ist, Elektromobilität in Nordhessen auszuweiten und zu vernetzen. An dem Projekt beteiligen sich unter anderem das Regionalmanagement Nordhessen, die Kasseler Verkehrsgesellschaft, die Städtischen Werke und die Universität Kassel. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert und läuft noch bis September 2015. 

Heinrich Müller: Das Besondere ist, dass wir den Schwerpunkt auf Tourismus, Freizeit und Veranstaltungen legen. Es geht vor allem darum, Elektromobilität erlebbar zu machen. Wir wollen den Menschen die Angst vor Elektrofahrzeugen nehmen.

Was ist Ihre Aufgabe dabei? 

Becker: Ich bin beim Energieversorger Eon Mitte für das Projekt Free verantwortlich. Wir kümmern uns um die Lade-Infrastruktur, also um Elektrotankstellen – vor allem im ländlichen Raum. 

Müller: Ich bin der Projektpartner für Pedelecs, also Fahrräder mit Elektroantrieb. Diese Räder sollen zum Beispiel Touristen zur Verfügung gestellt werden, die in die Region kommen.

Wie alltagstauglich sind Elektrofahrzeuge heute schon? 

Becker: Technisch sind die Elektroautos bereits gut ausgereift. Aber leider sind sie im Vergleich zu Benzin-Autos noch deutlich teurer und deshalb nicht so alltagstauglich wie herkömmliche Fahrzeuge. 

Müller: Pedelecs sind schon jetzt sehr alltagstauglich. Es gibt dazu zwar noch keine Studien dazu, aber ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen Pedelecs nutzen – für kurze Strecken, aber auch um in den Nachbarort zu fahren. Das ist mit einer Reichweite von 50 Kilometern schon möglich. In meiner Nachbarschaft bringen junge Eltern ihre Kinder mit Pedelec und Anhänger in den Kindergarten.

Was müsste sich verändern, damit Elektromobilität im Alltag mehr genutzt wird?

Becker: Da wird es auf die Preise für Akkus und Batterien ankommen. Und der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist wichtig: Niemand soll Angst haben, unterwegs zu stranden, weil der Akku leer ist. Außerdem sollten Firmen bei ihren Fahrzeugflotten mehr auf Elektromobilität setzen.

Müller: Das ist vor allem eine politische Frage, ob man bereit ist, Elektromobilität finanziell zu fördern und damit auch erschwinglicher zu machen.

Wie kann das Free-Projekt dazu beitragen, Elektromobilität alltagstauglich zu machen? 

Becker: Indem verschiedene Angebote in der Region stärker vernetzt werden. Nicht alle Orte sind mit dem Öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Man könnte aber für Anschlussfahrten in solche Gebiete Carsharing anbieten oder Pedelecs verleihen. Ideal wäre eine Internetplattform, auf der man angibt, wo man hin will, und dann erfährt, wie man ohne Auto ans Ziel kommt.

Müller: Die Abkürzung Free steht für „Freizeit- und Eventverkehre mit intermodal buchbaren Elektrofahrzeugen“. Das kann zum Beispiel heißen, dass ich ein Hotel buche und gleich ein Elektro-Fahrrad mit im Paket habe.

Termin: Wie fährt es sich auf einem Pedelec oder einem Motorroller mit Elektroantrieb? Das können Besucher beim Elektromobilitäts-Tag in Felsberg am Samstag, 15. Juni, von 13 bis 17 Uhr ausprobieren. 

Das Radhaus Melsungen und die Radko-Stöckl-Schule stellen Fahrzeuge für Probefahrten zur Verfügung. Heinrich Müller und Kerstin Becker werden in Vorträgen das Free-Projekt vorstellen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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