Städte und Kommunen stellen sich auf Nachfrage ein

Neue Gräber für Muslime im Schwalm-Eder-Kreis geplant

Schwalm-Eder. Viele Muslime lassen sich inzwischen in Deutschland beerdigen: In Edermünde und Borken entstehen demnächst neue muslimische Grabstätten. In Schwalmstadt gibt es sie schon länger.

Immer noch lassen sich die meisten Muslime hierzulande nach dem Tod im Ausland beerdigen. Doch nachdem in Hessen die Sargpflicht aufgehoben wurde, entstehen neue Grabfelder für Muslime – auch im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Denn im Gegensatz zur ersten Generation von Gastarbeitern werden künftig viele Menschen nach dem Tod nicht in die Heimat zurückkehren – sie sind ohnehin hier geboren und zu Hause.

„Aktuell lässt sich die Hälfte aller in Deutschland lebenden Muslime auch hier beerdigen“, sagt der Treysaer Imam Duru Zübeyer. In Schwalmstadt hält der Treysaer Friedhof seit 2006 eine eigene Reihe für muslimisch Gläubige bereit. 

Standesbeamter Dirk Herter erklärt: „Problematisch ist dabei, dass wir hier keinen unbelasteten Boden haben. Denn in der Erde fanden bereits Bestattungen statt. Und das entspricht streng genommen nicht den Regeln des Glaubens.“ Bis jetzt sei die Nachfrage verhalten: Zwei muslimische Bestattungen hat es in Treysa gegeben.

Neue muslimische Grabstätten in Edermünde und Borken

In Melsungen hat man bereits vor zwölf Jahren ein Grabfeld eingerichtet. Ein Mitarbeiter des Standesamtes erklärt: „Anfangs wurde es kaum genutzt, in jüngster Zeit gab es vier Bestattungen.“ Die Friedhofsverwaltung Homberg teilt mit, dass es bislang keine Nachfragen von Muslimen gab. 

In Edermünde hingegen sollen demnächst Grabstätten unter anderem für muslimische Bestattungen eingerichtet werden. Die Gemeinde will zusätzliche Grabarten schaffen. „Wir sehen einen deutlichen Bedarf“, teilt eine Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung mit.

In Borken ist ebenfalls ein muslimisches Gräberfeld vorgesehen – aktuell steht die Stadt in regem Austausch mit der dortigen türkisch-islamischen Gemeinde. Alle Änderungen müssen sich in den Friedhofsordnungen der Städte und Gemeinden wiederfinden. 

Beisetzung in Hessen ohne Sarg möglich

Mit der Änderung des hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes ist seit 1. März 2013 auch eine Beisetzung ohne Sarg – nur im Leichentuch – möglich. Im Kreis gab es bislang keine Bestattung im Leichentuch. Die Sargpflicht hatte viele Familien aus religiösen Gründen dazu bewegt, die Verstorbenen etwa in die Türkei zu überführen und dort zu beerdigen. 

Nach islamischem Glauben muss der Verstorbene unter anderem mit dem Gesicht nach Mekka ausgerichtet werden. Die Anforderungen an eine muslimische Bestattung sind nicht im Koran verankert, sondern in einer Fatwa – eine von einer muslimischen Autorität erteilten Rechtsauskunft. 

Quelle: HNA

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